Feudum: The Queen’s Army – Strategien gegen die Königin

Wie schon Scythe seinerzeit, gibt es auch für Feudum mit der separat erhältlichen Erweiterung The Queen’s Army einen Solo-Modus (Automa genannt), in dem ein Kartendeck die Steuerung der Königin übernimmt. Überhaupt haben Solo-Modi in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, scheint mir. Da ich Feudum wie auch Solo-Spiele macg habe mich ausgiebig mit der Königin gekloppt. Meine Eindrücke und Erkenntnisse, wie man mit dieser garstigen Hexe umgehen kann, möchte ich hier mit euch teilen.

Überblick

Die Königin zu besiegen ist schwierig – das wird jeder, der schon einmal gegen sie gespielt hat, bereits wissen. Wegen ihrer zufälligen, aber dennoch programmierten Natur gibt es allerdings einige Verhaltensmuster, die sich nach ein paar Partien herauskristallisieren. Am auffälligsten sind ihre militärische Überlegenheit, ihre unerreichte Mobilität, ihr Einfluss in den Gilden und ihre beinahe friedliche Einstellung dem „gehobenen Volk“ gegenüber. Um im Tanz mit der Königin die Führung zu übernehmen, müsst ihr die Eigenheiten der Königin ausnutzen und ihr einen Strick daraus drehen. Steckt in den richtigen Momenten zurück und stoßt ihr den Dolch in den Rücken, wenn sie sich abwendet.

Krieg & Frieden

Das Wichtigste zuerst: Vergeudet keine Kraft darauf, euch militärisch mit der Königin zu messen – außer es erscheint opportun. Zum Einen bringt die Königin ihre Figurenwürfel sehr schnell aufs Spielfeld (und ersetzt Gefallene schneller, als einem lieb ist), und zum Anderen kann ein Angriff schnell nach hinten losgehen, wenn sie eurem Angriff zuvorkommt.

Um auch nur einen einsamen Würfel der Königin zu schlagen, müsst ihr zwei eigene Würfel oder einen Ritter plus ein bzw. zwei Salpeter ins Gefecht werfen. Allein das In-Stellung-Bringen und Auftreiben von Salpeter ist eine aufwendige Angelegenheit. Insbesondere im ersten Drittel ist die Bewegung ihrer Würfel in Richtung Behemoth ein zusätzlicher Faktor, der diese Anstrengungen schnell zunichte machen kann, weil ihre Würfel vor eurem Angriff schlicht und ergreifend schon stiften gegangen sein können – oder eben einer eurer Würfel zum Ziel des Angriffs wird. Das ist besonders bei einem Ritter (oder einem beliebigen schwarzen Würfel) der Königin gefährlich, da ihr euch gegen deren Angriffe schlicht nicht verteidigen könnt.

Es ist mir bisher auch nicht gelungen, den Behemoth länger als eine Handvoll Züge vor den Schergen der Königin in Sicherheit zu bringen. Ihr zufälliges Auftauchen aufgrund der Wandern- und Ausschwärmen-Aktionen macht diesen Versuch zu einem riskanten und zumeist fruchtlosen Unterfangen, da ihr schon ein einzelner Figurenwürfel zum Erlegen des Riesen genügt. Schade um König Daniel, aber wir haben schließlich andere Prioritäten.

Später, wenn ihre Würfel dem Pferd folgen, werden sich die Würfel zu einer regelrechten Rotte zusammentun deren Angriffe eure Würfel gnadenlos niederwalzen werden, dafür aber berechenbarer sind.

Influencer sein

Diese Rottenbildung könnt ihr jedoch zu eurem Vorteil nutzen. Solange die Königin mit der Jagd nach dem Behemoth beschäftigt ist, habt ihr etwas Zeit euch relativ ungestört auf dem Spielplan auszubreiten und euren Einfluss weit gefächert zu versprühen. Dazu braucht es möglichst die Gildemeister-Position in der Alchemistengilde, um bei der Rittergilde Einflussmarker kaufen zu können. Kommt euch die Königin aber zuvor, könnt ihr auch versuchen, vom Gesellen der Alchemistengilde durch frühe Einnahme eines Außenpostens zum Meister aufzusteigen. Geselle der Rittergilde zu sein geht aber notfalls auch. Wenn die Königin also nicht zuerst einen Alchemistenwürfel wirft, nehme ich zumeist einen Alchemisten, um mir anfangs die Gildemeister-Position zu sichern. Das bringt auch den Vorteil mit sich, dass ihr eure anderen Figurenwürfel flexibler ins Spiel bringen könnt.

Die nächste Amtshandlung ist sodann der Fokus auf das Herstellen von Krudfässern, um Einflussmarker in der Rittergilde zu platzieren. In Kombination mit den Wandern- und Bewegen-Aktionen könnt ihr dann frühzeitig viele Einflussmarker verteilen. Der unmittelbare Effekt ist, dass ihr euch damit zeitweilig bis zu drei Positionen als Gildemeister sichern könnt, bevor die Königin aufgrund ihrer aggressiven Ausbau-Strategie Lehen errichtet und euch damit den Rang ablaufen wird. Findet euch damit ab, dass ihr etwa ab der Hälfte des Spiels von (einigen) euren Gildemeister-Positionen verdrängt werdet, sie aber zurückerobern könnt (dazu später mehr).

Ein weiterer nützlicher Effekt ist, dass ihr beim Epochenwechsel viele Punkte für das Fürsten- oder zumindest Leibeigenen-Dasein (sofern ihr entsprechende Landschaften pflegt) in möglichst vielen Regionen einsacken könnt. Da die Königin keine Fürsten angreift und selbige selten durch Einfluss-Aktionen enttrohnt, sind diese relativ sicher. Hier spielt euch ihr zufälliges Verhalten in die Karten. Die Leibeigenen sind deutlich gefährdeter, aber auch die kann man in gewissen Grenzen schützen.

Drachen steigen lassen

Der Schlüssel dazu ist, seine Würfel ständig in Bewegung zu halten. Wenn der Behemoth gefällt oder die dritte Epoche eingeläutet wurde, macht die Königin Jagd auf eure Figurenwürfel – und sie ist schneller als ihr. Auf eine Bewegung ihrerseits muss aber nicht notwendigerweise eine Erobern-Aktion folgen, sodass ihr Chancen habt, sie erfolgreich zu „kiten„. Die Königin wird dennoch eure Figurenwürfel einholen und auch den einen oder anderen ausschalten; aber indem ihr ihre Schritte mit einem eurer Würfel lenkt, verschafft ihr euren anderen Würfeln Zeit, in den von der Königin zurückgelassenen Ortschaften „aufzuräumen“. Sei es durch Einfluss, Aushungern oder Stibitzen.

Lenkt ihre Schritte entlang nicht beinflusster Orte (wo sie dann manchmal Einfluss verteilt) und macht euch genau dort schnellstmöglich zu Leibeigenen, um wertvolle Regionsplättchen zu platzieren, von denen ihr nach Möglichkeit ein oder zwei Stück organisieren solltet. Je früher ihr das schafft, desto mehr profitiert ihr davon. Doch um diese Orte müsst ihr sodann einen Bogen machen, um die Leibeigenen und damit euren Warenertrag zu schützen.

Adel verpflichtet

Die Königin baut sehr aggressiv ihre Orte aus und wird alsbald das eine oder andere Lehen besitzen. Was euch viele Rohstoffe und Aktionen kostet, bewerkstelligt sie praktisch mit einem Fingerschnippen. Hier kommt eure Adligen-Figur ins Spiel. Die Königin hinterlässt ihre Fürsten, Untertanen und Leibeigenen gern schutzlos, um eure Figurenwürfel zu verfolgen. Mit einem Adligen könnt ihr – so unehrenhaft das auch sein mag – die beiden letzteren relativ ungefährdet aushungern und dadurch fast mühelos Fortschritte auf der Militärleiste machen. Da die Königin keine Verteidigungsaktion hat, kann sie sich dagegen nicht wehren. Viel wichtiger ist jedoch: Ihr ermöglicht oder erleichtert damit die Übernahme feindlicher Lehen, sofern dort zwei Einflussmarker der Königin liegen. Alternativ (oder zusätzlich) könnt ihr euch der „Geld ist Macht“-Aktion des Händlers bedienen, um den Übernahmeprozess zu beschleunigen.

Anders als beim Erobern von Lehen, werden diese beim Sturz des Fürsten durch rebellierende Leibeigene nicht zerstört, sodass ihr durch die Übernahme praktisch immer die Gildemeister-Position der entsprechenden Gilde übernehmt. Das liegt daran, dass die Königin nur Lehen errichtet, von denen sie noch keines beherrscht. Das schmälert nicht nur den Punkte-Ertrag der Königin, sondern katapultiert euch in vorteilhaftere Positionen innerhalb der Gilden.

Da Kämpfe gegen die Königin eher unattraktiv sind, stellt das Aushungern nach meiner Erfahrung die effektivste Möglichkeit dar, auf der Militärleiste voranzukommen, die ihr als Lehnsmann (oder -frau) nicht aus den Augen verlieren solltet.

Der Schwefel muss fließen

Die Königin wird viele Gildemeister-Positionen einnehmen und euch da und dort auf die Gesellenplätze verweisen. Da ihre Gildenaktionen von mehreren Zufallsfaktoren abhängen, dürft ihr euch keinesfalls darauf verlassen, dass sie als Gildemeisterin die Warenflüsse zwischen den Gilden in Gang hält. Dank der Bauerngilde habt ihr jedoch auf der „linken“ Seite des Spielfelds begrenzt die Möglichkeit, Händler- und Alchemistengilde mit Waren zu fluten. Eine recht effektive Kombination ist z.B.: Rosenkranzperlen in die Bauerngile zu bringen, möglichst viele Waren mittels Ernte-Aktion zu produzieren, diese in Händler- und Alchemistengilde überfließen zu lassen und damit den eigenen Alchemisten-Gildemeister oder Rittergesellen in die Lage zu versetzen, Krudfässer zu produzieren.

Je mehr Farmen ihr beherrscht, desto mehr Waren dürft ihr davon selbst behalten. Seid ihr Mitglied in der Bauerngilde, dürft ihr euch diese sogar aussuchen (optimal wäre in der oben beschriebenen Konstellation also die Position des Gesellen). Da ihr gegen die Königin kaum im Kampf bestehen könnt, bietet es sich natürlich an, stets ein oder zwei Schwefel zu wählen und aufs Weinfass zu legen (schließlich benötigt ihr kaum bis gar keine Kampfkraft). Unterschätzt dabei aber auch nicht den Wert von Salpeter, der euch eine fünfte Aktion ermöglicht. Versucht nach Möglichkeit immer, eine Einheit Salpeter im Vorrat zu haben, weil ihr sonst ins Hintertreffen geratet. Die Königin benötigt für ihre gelegentliche fünfte Aktion nämlich keinen.

Das Aushungern mit dem Adligen (siehe Abschnitt „Adel verpflichtet“) konterkariert dieses Vorgehen natürlich, weil dabei sämtliche Rosenkranzperlen auf der Bauerngilde verloren gehen. Bis es soweit ist, dürftet ihr aber auf diese Weise reichlich Waren verschoben haben; schließlich braucht die Königin selbst einige Zeit, um angreifbare Lehen zu errichten. Ein niedrig dosierter Fluss von Rosenkranzperlen hat in Kombination mit dem Adligen als Gildemeister zudem den Vorteil, dass ihr mehrfach königliche Siegel in die Mönchsgilde verschieben könnt und damit ordentlich punktet.

Ein Opfer für die Sache

Viele der oben genannten Strategien zielen (so wie fast alles in Feudum) auf die Mitgliedschaft in ganz bestimmten Gilden ab. Während die Alchemistengilde besonders in der ersten Hälfte des Spiels hilfreich ist, wird sie im Solo-Spiel später weniger wichtig, wenn die Vorräte an Einflussmarkern schwinden. Wenn ihr merkt, dass die Aktivierung einer Gildenaktion zunehmend unattraktiv wird, lasst den entsprechenden Figurenwürfel (falls vorhanden) der Königin zum Opfer fallen – das bringt ihr jedoch Punkte – oder einfach verhungern. Letzteres erfordert logischerweise, dass ihr eure Nahrungsvorräte entsprechend steuert, da das Ernähren obligatorisch ist, sofern ihr über Nahrung oder Schwefel im Weinfass verfügt. Obgleich ihr durch eine neue Figur selten unmittelbar zum Gildemeister werdet, kann auch die Gesellenposition viel Nutzen stiften. Klammert euch nicht zu sehr an eine Gildemeisterposition, wenn ihr nur selten davon profitiert. Ein bescheidener, aber fleißiger Geselle ist meiner Ansicht nach mehr wert, als ein fauler Meister, der nur einmal pro Epochenwechsel punktet und sonst nichts leistet.

Anders als im Spiel mit 4, 5 oder gar 6 Spielern ist euch im Tanz mit der Königin die Position als Geselle sicher, wenn ihr zumindest einen entsprechenden Figurenwürfel im Spiel habt. So habt ihr viel Platz, euch in Gilden breit zu machen, deren Möglichkeiten ihr gewinnbringend kombinieren könnt. Die Beispielkombination aus Bauern-Alchemisten-Adligen-Gilde ist da nur eine von mehreren möglichen Varianten.

Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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