Geschichten von einem, der auszog, Miniaturen zu bemalen – Teil 1

Als ich mir vor etwa 2 Jahren Descent in der zweiten Edition kaufte, war ich von den Figuren schwer beeindruckt. Bis dahin waren mir die Miniaturen von Spielen relativ egal. Sie sind Spielelemente, die man übers Spielfeld bewegt. Fertig.

Auf boardgamegeek.com entdeckte ich allerdings eine Bildergalerie zu Descent (im Folgenden D2) und fand einen Haufen schön bemalter Figuren. Wenn ich das doch auch so schön hinbekommen könnte. Der letzte Pinsel mit dem ich bis dahin gemalt hatte, war ein grober Malerpinsel beim Umzug um 2010 herum. Künstlerisches Talent besaß ich ungefähr soviel wie ein Backstein schwimmen kann. Dachte ich jedenfalls.

Lebensgefährten sind was praktisches

Ich zeigte meiner Freundin diese Bilder und ließ durchblicken, dass ich auch Lust hätte, mich am Bemalen der Figuren zu versuchen, allerdings scheute ich auch, sie zu versauen – dass ich mich sträubte, 50 Euro für eine Startausrüstung mit Malutensilien auszugeben kam noch dazu.

Wie liebende und sich kümmernde Lebensgefährten so sind, schenkte sie mir zu Weihnachten ein Starter-Set mit Pinseln und einem Dutzend Farben und Grundierspray und der Grundstein für ein bis heute andauerndes Hobby war gelegt.

Schön, und was soll das hier?

Mit einer kleinen, unregelmäßig erscheinenden, Reihe von Artikeln möchte ich Mal-Einsteigern und solchen, die mit dem Gedanken spielen welche zu werden (und auch solchen, denen das bis dato gar nicht in den Sinn gekommen ist) die Angst vor Misserfolgen und versauten Figuren nehmen, und sie ermutigen, einfach zu machen – und sich von den schnöden grauen Plastikklumpen zu verabschieden, die die Hersteller in die Boxen werfen.

Ich möchte einige Einsichten teilen, die ich selbst als blutiger Anfänger im Laufe der Zeit erlangt habe, Tipps geben, einfache Techniken zeigen die große Wirkung erzielen können und euch zeigen, dass man auch bar jeden Talents etwas Großes schaffen kann.

Im Painting Guide zu Jerry Hawthornes Maus & Mystik steht ein Zitat, das ich hier gern anbringen möchte, um das zu verdeutlichen:

Remember that any amount of painting, no matter the skill level, will look better than using just plain unpainted figures.

Genug geschwafelt, fangen wir mit etwas elementarem an und schauen, was ihr für den Einstieg in das Hobby benötigt.

Meine ersten Figuren – da ist noch Luft nach oben

Shoppiiing!

„Waaas, so teuer?“ dürfte das erste sein, was man denkt, wenn man sich ein Starter-Set anschaut, oder selbst zusammenstellt. Je nach Farben- und Pinselhersteller und Anzahl der Utensilien wird man ca. 50 anlegen müssen, um eine brauchbare Start-Ausrüstung zusammen zu stellen – wenn man nicht gerade die allerbilligsten 250ml-Flaschen und Billigstpinsel aus dem 1 Euro-Laden nimmt. Mit dem besagten Starter-Set das ich geschenkt bekam hatte ich eine solide Grundausstattung, aber die war ganz schnell nicht mehr ausreichend. Man kann nicht alles mit ein paar Grundfarben mischen, und ein einziger Pinsel für alles ist sowieso Käse. Das sieht einfach lausig aus.

Notiz am Rande: Wenn von „sauberen“ Farben die Rede ist, meine ich damit Farben die im eigenen Behältnis erworben wurden und nicht selbst angemischt wurden.

Folgende Farben und Zubehör möchte ich in meinem Malkasten nicht mehr missen. Die für den Einstieg weniger wichtigen habe ich mit „Optional“ gekennzeichnet.

– Die „Grundfarben“ Blau, Rot, Grün und Gelb in möglichst der Schattierung, die man sich spontan unter jenen Farben vorstellen würde. Ihr werdet schnell feststellen, dass es sich auch lohnen kann, 3 der Farben in einer weiteren Schattierung parat zu haben (wobei ein zweites Rot nicht unbedingt sein muss – ein kräftiges Rot ist überraschend mischfreudig und universell anwendbar). Denn: Erzeugt man 2 Farbmischungen, die eine Farbe (sprich: gleicher „Topf“) teilen, wird man sie meiner Erfahrung nach auf der Figur später oft nicht optimal voneinander unterscheiden können.

– Braun – je nach Genre in dem sich eure Miniaturen bewegen, kann Braun eine sehr wichtige Rolle spielen. Fantasy-Figuren sind z.B. oft mit Holzgegenständen und Lederkleidung ausgestattet. Mit einem holzigen Braun könnt ihr verschiedene Holztöne erzeugen (auch hier empfiehlt sich ein zweites Braun zur Abgrenzung) und – besonders praktisch – mit einem Schuss rot oder Orange schöne Ledertöne erzeugen

– Hautfarbe, wenn ihr Figuren mit freiliegenden Körperpartien habt. Notfalls könnt ihr auch mit Orange und Weiß experimentieren.

– Schwarz und Weiß. Braucht man immer. Aber Vorsicht: Schwarz kann zwar Mischungen Abdunkeln, aber es legt sich auch schnell ein Grauschleier in die Farbe. Weiß wiederum lässt Mixturen gern in Pastelltöne abdriften. Bei den o.g. Grundfarben finde ich es deshalb praktischer, auf 2 deutlich verschiedene saubere Varianten dieser Farben zugreifen zu können, um damit eine Mischfarbe heller oder dunkler zu machen oder einfach verschiedene Farbtöne der gleichen „Gattung“ erzeugen zu können, die sich trotzdem gut genug voneinander abheben. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, mit Weiß und Schwarz zu experimentieren.

– Metallic-Farben. Irgendwas grau-metallisches. Braucht man immer mal wieder.

– Optional: Gold ist auch schick für das Bling Bling eurer Figuren, wenn sie es sich denn leisten konnten.

Tipp: Wenn ihr euch Gold zulegt, genügt ein „helles“ Gold. Damit könnt ihr dann einerseits glitzernde Klunker hervorheben, und mit einem Schuss Braun ein dezentes „Altgold“ erzeugen.

– Optional: Eine sandig aussehende Farbe – besonders Kordeln, Leinentuch, Knochen und helle Lederwickel, Zähne (mit Weiß angemischt) und dergleichen kann man damit schön zur Geltung bringen, wenn man sie passend anmischt. Als alleinige Farbe kommt sie bei mir jedoch selten zum Einsatz.

– Optional: Grau – einfach weil ich faul bin und man mit jedem Mixen von Weiß und Schwarz immer etwas Schwund hat.

– Optional: Knallige Farben – mit der Zeit habe ich mein Repertoire um richtig knallige, geradezu Augenkrebs erzeugende Farben aufgerüstet, um bei Bedarf z.B. ein giftiges Grün mixen zu können oder Feuer nicht nur mit Gelb und Rrot, sondern auch mit kräftigem Orange aufhübschen zu können.

– Optional, wenn ihr große Figuren habt die erkennbare Lücken dort haben, wo sie zusammengesetzt sind: Modelliermasse. Games Workshop beispielsweise verkauft sowas als Green Stuff, welches man mit einem Pinsel auftragen kann um diese Lücken zu schließen.

– Absolut unverzichtbar: Washes/Shades (manchmal auch Tints) in unterschiedlichen Ausprägungen – je nachdem wieviel Geld ihr auszugeben bereit seid. Anfangs genügen braun und schwarz für die typischen Fantasysettings; wenn ihr viele hautfarbene Bereiche bemalt, würde ich auf alle Fälle auch ein hautfarbenes Wash in die Startausrüstung aufnehmen. Mehr zum Thema Wash/Shade erfahrt ihr in einem späteren Artikel; nur soviel im Voraus: damit erreicht ihr schöne Schattierungen und hebt kleine Details hervor. An und für sich kann man sie mit gewissen Abstrichen auch selbst mit Wasser und der Wunschfarbe herstellen, mir ist das aber bisher nicht zufriedenstellend gelungen. Einen Pott Wash zu kaufen ist ungleich bequemer. 😉

– Optional: Zu guter Letzt kann man über den Erwerb von Sprühgrundierung (ist am einfachsten und schnellsten in der Handhabung) nachdenken, welche in der Handhabung schnell und einfach ist.

Ich habe keine guten Erfahrungen mit ungrundierten Figuren gemacht, da die Farben nicht so recht haften wollten. Hier solltet ihr einfach mal selbst ausprobieren, ob eure Farbe gut ohne Grundierung haftet.
Wenn ihr mögt, könnt ihr euer Werk auch mit Klarlack (ich nutze Seidenmatt) versiegeln, um die Farbe vor dem Abblättern zu schützen. Das würde ich davon abhängig machen, mit welchem „Belastungsgrad“ bei Spiel und Lagerung zu rechnen ist. Kostet ja alles Geld…

Damals war alles besser. Unsinn!

Das ist doch keine Fingermalfarbe!

Natürlich brauchen wir noch Pinsel in mehreren Stärken. Mit meinen Wurstfingern kriege ich jedenfalls keine Miniatur bemalt:

– Einen für sehr feine Details (so richtig fein) und filigrane Arbeiten wie Gürtel, Kordeln, Augen (wenn sinnvoll machbar) und Rüstungsverzierungen, die sehr dünn sind.

– Einen für feine Arbeiten, bei denen ihr sauber an andere (bemalte) Bereich anstoßen müsst, aber auch keine Lust habt, eine halbe Stunde mit dem sehr feinen Pinsel auf einem halben Quadratzentimeter zuzubringen

– Einen „Vorschlaghammer“, mit dem ihr grob vormalen könnt

– Einen (und den nutzt ihr nur dafür!) „buschigen“ Pinsel, der wässrige Farben (die Washes) aufsaugen kann

– Und einen mit harten Borsten zum Trockenbürsten (auch der ist exklusiv dafür zu nutzen)

– Einen billigen oder alten Pinsel, bei dem ihr die Borsten runterschneiden könnt, um ihn zum Mischen zu nutzen

– Und wenn ihr absehen könnt, dass ihr große Figuren bemalen werdet, würde ich noch einen großen Vorschlaghammer besorgen, sonst braucht ihr ewig.

Was ich nicht tun würde ist, diese Pinsel halb-blind im Schreibwarenladen um die Ecke zu kaufen. Die Pinsel dort sind zwar nicht unbedingt Schund, aber üblicherweise nicht für das geeignet, was wir hier veranstalten wollen. Diese Pinsel „vergniedeln“ schnell (so jedenfalls meine Erfahrung) und man hat schnell fransige Pinsel, die feine Details nicht mehr zufriedenstellend ausarbeiten können.

Geht in ein Fachgeschäft, einen Bastelladen und stöbert. Lasst euch Zeit, befühlt die Pinsel und verschafft euch einen Eindruck, wie sie sich beim Streichen verhalten und welche Form sie dabei annehmen (breit werdend, spitz bleibend, fransen, etc). Was auf dem Display steht kann euch dabei mal getrost egal sein. Egal ob da Ölfarbe, Aquarell oder sonst was draufsteht. Meine Sammlung beinhaltet für verschiedene Arten der Malerei „optimierte“ Pinsel. Es geht einzig darum, ob sich der Pinsel beim Ausprobieren richtig anfühlt. Dass das mal in einem Fehlkauf mündet ist natürlich nicht auszuschließen.

Abgesehen von dem Pinsel zum Trockenbürsten welcher möglichst feste Borsten haben sollte, aber nicht „kratzig“ im Sinne von dicken Borsten ist, tendiere ich zu weichen Exemplaren mit spitz zulaufendem Ende.

Mein teuerster Pinsel lag bei 9 Euro (und glaubt mir, ich habe viel zu lange im Laden gestanden und mit mir gerungen), ein Modell das nur für die allerfeinsten Details genutzt wird, und daher keinen nennenswerten Verschleiß aufweist – best buy ever. Der Rest bewegt sich im Bereich von 3-5 Euro und hält dann – sorgfältigen Umgang damit vorausgesetzt – recht lange.

Und sonst so?

Eine Mischpalette mit kleinen Aussparungen aus dem Bastelbedarf finde ich sehr praktisch, einen Spatel mit dem ihr die Farbe aus den kleinen Töpfen holen könnt (so ihr euch für derart abgefüllte Farbe entscheidet), und – sehr praktisch – eine Pillendose mit einzeln verschließbaren Fächern, in denen ihr Farbe anmischen könnt um sie bei temporärem Nichtgebrauch vor dem Austrocknen zu schützen (gibt’s notfalls zu Apothekenpreisen in selbigen, wenn ihr sonst keine im Drogeriemarkt oder online findet).

Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Wichtigste: ein Spiel mit Miniaturen die es euch wert sind, sie zu bemalen. 🙂

Da wird man ja arm bei!

Das klingt alles erstmal nach viel Geld – und das ist es auch – aber richtig gepflegt begleiten euch die Pinsel über viele Figuren hinweg. Auch Farben gibt es in den unterschiedlichsten Preisregionen. Vom 12ml-Topf für etwa 3 Euro bis zur 250ml-Flasche aus dem 1 Euro-Laden gibt es nichts, was es nicht gibt.
Aber man sollte auch nicht ganz am falschen Ende sparen und sich dann wundern, warum die Farbe beim ersten Fingerkontakt wieder abblättert , bei einem Sturz auf den Tisch von der Figur abplatzt oder man ständig nachkorrigieren muss, weil der Billig-Pinsel schon wieder fransig ist.
Ist die erste Investition einmal getätigt, wird das Hobby auch schlagartig billiger und es kommen ab einem gewissen Punkt nur noch „schleichende“ Kosten ins Spiel. Hier mal eine neue Farbe („Oh guck mal, die ist doch schick“), da einen durch Dusseligkeit umgeworfenen Topf ersetzen und dort den von der Katze zerkauten Pinsel auswechseln. Hatte ich erwähnt, dass diese Artikel auf meinen Erlebnissen beruhen?

Wenn ihr am Ende einer Mal-Session das Ergebnis (den sogenannten Paint Job) seht, sind die Anschaffungskosten und was sonst noch so dazu kommt ohnehin vergessen.

Im nächsten Artikel widme ich mich dann der Handhabung der Figuren beim Sprühen und Bemalen.

Bis dahin also, frohes Shoppen.

Alle Artikel aus dieser Mal-Serie:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

 

Pierre

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Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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