Geschichten von einem, der auszog, Miniaturen zu bemalen – Teil 2

„Das ist mir viel zu fummelig“ oder „Dafür hab ich viel zu unruhige Hände“ sind Sätze, die ich – auf dieses Hobby angesprochen – oft gehört habe. In diesem Artikel möchte ich euch zeigen, wie man diese Hürden mit Hilfe von in jedem Haushalt zu findenden Gegenständen überwindet und ein paar Kniffe für entspanntes und entspannendes Malen zeigen.

Festhalten!

Wenn man anfängt zu Malen, hält man die Figur wahrscheinlich zunächst ganz schlicht an der Base (Basis, Grundplatte auf der die Figur steht) zwischen Daumen und Zeigefinger und merkt bald, dass das eine eher unangenehme Methode ist. Daher zeige ich euch hier ein paar einfache Helfer, mit denen man die Figuren ganz entspannt halten und bemalen kann:

 

 Korken

Nach dem Festhalten zwischen Daumen und Zeigefinger kam bei mir der Versuch, die Figur auf einem Korken mit doppelseitigem Klebeband zu befestigen. Das funktioniert grundsätzlich schon mal nicht schlecht, aber die Haltung der Hand bleibt letztlich die gleiche und somit wird sich auch hier bald ein unangenehmes Gefühl in der Hand einstellen. Eine Möglichkeit wäre, 2 Korken miteinander zu verbinden. Allerdings neigen Korken dazu, nicht sonderlich stabil zu stehen, daher bin ich davon schnell abgekommen.

Klebestift und Tablettenröhre

Letztlich bin ich aber an Klebestiften hängen geblieben (nein, nicht was ihr jetzt denkt). Durch ihre Länge lassen sie sich gut mit der ganzen Hand greifen, was die Finger entlastet und man so lange und entspannt malen kann. Das gleiche gilt im Prinzip auch für Tablettenröhren (z.B. Multivitamintabletten oder Badezusätze), wenn man eine passende Größe findet. Klebestifte haben aber für mich die optimale Größe und sind billig zu bekommen, daher finde ich sie am besten geeignet.

Wenn eure Figuren eine nach innen gewölbte Base haben, kann es sein, dass ein kleinerer Klebestift in genau diese Vertiefung passt, und ihr so mehr Klebefläche habt. Dadurch hält die Figur besser.
Alternativ könnt ihr eine kleine Münze (z.B. 1 Euro-Cent) auf einen Klebestift normaler Größe legen und den abgeschnittenen Finger eines Gummihandschuhs drüberziehen, womit ihr den gleichen Effekt erreicht.

Beim Sprühen

Sowohl für Korken, Klebestift als auch Tablettenröhre würde ich – wenn man Sprühgrundierung und –lack nutzt – den Finger eines Gummihandschuhs abschneiden und drüber stülpen. Das hat den Vorteil, dass man einerseits den Klebestift nicht vollsprüht, wenn man der Freundin (hrm… Sorry) mal wieder selbigen gemopst hat, andererseits gibt er dem Klebeband auf dem Korken mehr Halt (und man kann eine Münze nutzen, um den Querschnitt des Stifts zu verändern, siehe oben).

Diese „Halterungen“ haben außerdem den Vorteil, dass man mit ihnen die Figuren gewissermaßen auf Augenhöhe und ganz gezielt und sparsam von allen Seiten (auch schräg von unten) besprühen kann.

Wenn die Base einen Steg hat

Je nach Hersteller könnte es sein, dass die Figur in der Base einen Steg hat, der den Trick mit der Münze verhindert. Hier müsst ihr letztlich schauen, ob die verkleinerte effektive Klebefläche ausreicht, die Figur zuverlässig zu halten, oder nicht. Wenn nicht, könnt ihr versuchen, 2 Korken zu einem zu verbinden und in eine Seite einen Schlitz zu schneiden, der den Steg aufnehmen kann, sodass wieder mehr Klebefläche zur Verfügung steht. Aber optimal finde ich das nicht, daher muss halt immer etwas Klebeband geopfert werden.
Es gibt sicher noch andere Dinge im Haushalt, mit denen man hier kreativ werden kann. Man muss nur drauf kommen und sie finden.

Still halten

Mit Hilfe der Klebestifte kann man auch die eingangs erwähnte Hürde der zittrigen Hände überwinden. Ich bin einer der Kandidaten, die keine wirklich ruhigen Hände haben und finde folgende Methode sehr hilfreich, die Figur und den Pinsel ruhig zu halten:

Beide Ellenbogen sind auf den Tisch oder den eigenen Körper gelehnt, der Ballen der Hand die den Pinsel hält wird mit sanftem Druck auf die andere gelegt – so dass ihr die gewünschte Partie gut erreichen könnt (siehe Bild). So lassen sich auch feine Details ausarbeiten, an denen man sonst verzweifeln würde.
Dies hat auch den Vorteil, dass mal jemand gegen den Tisch stoßen kann, ohne dass euer gerade geführter Pinselstrich automatisch abgleitet und den ganzen Fortschritt versaut. 🙂

Licht machen

Wenn ihr abends malt, werdet ihr wahrscheinlich für viel Licht sorgen – vielleicht sogar direktes Licht aus kurzer Entfernung. Das hilft zwar, Details zu identifizieren und sorgfältig auszuarbeiten, birgt aber auch das Risiko, dass die Farben etwas zu dunkel werden und die Details der Figur absaufen.
Reißt ruhig eure Zimmerbeleuchtung auf, aber vermeidet helle, direkte Beleuchtung aus kurzer Distanz, solange ihr Farben mischt und die gröberen Bereiche der Figuren ausarbeitet. Dann erreicht ihr meiner Erfahrung nach leichter Farben, die auch auf normale Spiel-Distanz noch Details erkennen lassen.

Kreativ sein

Normalerweise halte ich mich an die Vorlage und versuche, die Figuren möglichst getreu dem Original zu bemalen. Manchmal will mir aber der passende Farbton nicht gelingen oder etwas sieht auf dem Papier besser aus als auf der Figur selbst. Oder es gibt einfach zu viele Figuren der gleichen Sorte – dann wird das Bemalen auch irgendwie öde.
In solchen Fällen weiche ich dann auch ganz gern mal davon ab und male wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Oft sind Figuren an bekannte Kreaturen angelehnt (Drachen, Wölfe, Ritter, usw.) – sucht im Internet nach passenden Begriffe, gegebenenfalls auch mit passenden Farbangabe oder bestimmten Eigenschaften.
Auf www.boardgamegeek.com stellen viele Nutzer Bilder von ihren bemalten Figuren online, von denen ihr euch auch inspirieren lassen könnt.

Im Fall von Descent (2te Edition) beispielsweise ist es spielmechanisch wichtig, die Farbmuster unterschiedlich zu halten. Die Monster sind hier in normaler und Elite-Ausführung unterwegs, teilen sich aber die gleiche Skulptur. Unbemalt lassen sie sich anhand der Plastikfarbe unterscheiden, beim Bemalen muss man sich also etwas überlegen. Die Elitemonster sind aus rotem Plastik, und daran orientiere ich mich nach Möglichkeit.

Weitermachen

Übrigens: etwa dann, wenn ihr die Hälfte der Figur geschafft habt werdet ihr wahrscheinlich die Grundierung rausholen und von vorne anfangen wollen. Lasst das. Ich bin fast immer in der gleichen Situation und war am Ende doch (meistens) mit dem Ergebnis zufrieden. Die Mona Lisa sah auf halbem Wege bestimmt auch schrecklich aus. 😉

Wichtig finde ich auch, dass man sich bewusst ist, dass die ersten eigenen Figuren nicht mit denen der Profis mithalten können. Versucht, möglichst sorgfältig auch kleine details auszuarbeiten, Bereiche nicht zu übermalen und vor dem Auftragen von Wash und trockenbürsten noch die entstandenen Fehler auszubessern. Das ist schon die halbe Miete für eine Miniatur, mit der man zufrieden sein kann.

Im nächsten Artikel werde ich ein paar Worte zu besagten Washes und dem Trockenbürsten verlieren – also noch nicht lackieren, bis der Artikel online ist.

Alle Artikel aus dieser Mal-Serie:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Pierre

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Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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