Interview mit Etienne & Fred von Geek Attitude Games

© Geek Attitude Games

Bei Essen The Game handelt es sich um ein Brettspiel über die internationale Spielemesse SPIEL in Essen. Es ist das Erstlingswerk der belgischen Spielefirma Geek Attitute Games und wurde über Crowdfunding finanziert.

Essen The Game wird im Rahmen der diesjährigen SPIEL veröffentlicht. Während der laufenden Kampagne hatte ich die Möglichkeit per Mail ein Interview mit zwei der drei Gründern von Geek Attitude Games zu führen.

(Die Kampagne auf Kickstarter findet ihr hier: https://www.kickstarter.com/projects/670498880/essen-the-game)

Peer: Erzählt mir etwas über euch und wie ihr dazu gekommen seid eine Brettspiele Firma zu gründen.

Etienne: Ich kenne Fred seit Jahren. Er organisiert zwei Mal im Jahr ein Spiele-Wochenende und ich bin jedes Mal dort.

Letztes Jahr hat er mich gefragt ob ich mit ihm zusammen ein Spiel über Essen machen möchte. Die Idee gefiel mir und wir begannen uns Gedanken über Mechanismen zu machen.

Als die Mechanismen gut waren, wollten wir einen Schritt weiter gehen. Wir fragten die Verlage, ob wir ihre Bilder nutzen dürfen. Sie stimmten alle zu. Dies gab uns den Willen weiterzumachen. Dann kam Fabrice zum Team dazu. Fabrice ist Fotograf und Drucker. Er hat einen guten Job beim Designen der Prototypen gemacht.

Zu dieser Zeit waren wir auf vielen Veranstaltungen in Frankreich und Belgien unterwegs um „Das Essen Spiel“ zu präsentieren und jedes Mal hatte es großen Erfolg. Es gewann sogar den LudiNord Festival Wettbewerb.

Da die Spiele viele verschiedene Verlage haben, entschieden wir uns es selbst zu produzieren um unabhängig und neutral zu bleiben.

Dann mussten wir einen Illustrator finden um eine Firma zu gründen: „Geek Attitude Games“, GAG (was „Witz“ auf Französisch bedeutet). Wir mussten außerdem nach Partnern suchen um das Spiel produzieren zu können. Wir sind sogar nach München gefahren um die LudoFact Fabrik zu besuchen.

Es dauerte sehr lange und sehr viele Arbeitsstunden (und viele Biere). Aber heute sind wir vollkommen zufrieden mit unserem Spiel und hoffen, dass die Menschen es lieben werden.

Peer: Ihr habt letztes Jahr begonnen und das Spiel wird im Oktober auf den Markt kommen. Dies ist ein sehr kurzer Zeitraum für die Entstehung eines Brettspiels. Wie lange hat es von der ersten Idee bis zum ersten Prototypen gedauert und wie viele Prototypen habt ihr seitdem geschaffen? Wie viele Stunden habt ihr in das Testen des Spiels gesteckt?

Etienne: Ich habe 3 Jahre gebraucht, von der Idee bis zur Veröffentlichung von Bruxelles 1893 und nur 18 Monate für Essen Das Spiel, da ich bei Bruxelles alleine war und wir für Essen Das Spiel zu dritt sind. Das macht einen Unterschied.

Ich kann die Stunden, die wir mit Mechanismen, Spieletests, Veranstaltungen,… verbracht haben nicht zählen, aber es waren eine Menge. Ich glaube ich habe dieses Jahr mehr Zeit mit Fred verbracht, als seine Frau mit ihm!

Peer: Ich nehme an du weißt nicht wie viel Bier in die Entwicklung von Essen Das Spiel geflossen ist, oder?

Etienne: Haha! Du kannst es dir nicht vorstellen! Ich trinke nur Wasser… aber Fred und Fabrice sind wahre Bier Liebhaber.

Peer: Fred, welches ist das beste Bier, das man während einer Partie Essen The Game trinken kann?

Fred: Das ist eine einfache Frage. Definitiv Orval.

Peer: Bitte erzählt uns etwas über eure Pläne mit Geek Attitude Games. Werdet ihr weitere Spiele veröffentlichen?

Etienne: Natürlich, wir denken über Essen Das Spiel ´14 nach, welches nicht nur neue Spiel Plättchen und Verlage beinhalten soll, sondern auch Nachrichten und die Möglichkeit die Spiele aus 2013 in einem „Second Hand“ Bereich zu spielen. Wir denken außerdem über neue Charaktere mit speziellen Fähigkeiten nach.

Persönlich hat mich Pearl Games gebeten an der Erweiterung für Bruxelles 1893 zu arbeiten. Ich habe bereits mit der Arbeit begonnen.

Des Weiteren habe ich eine Idee, die ich gerne ausprobieren möchte: Ein Familienkartenspiel über Stereotypen von Männern und Frauen.

Und ein paare andere Ideen…

Aber weißt du, ich bin ein fauler Kerl. Zum Glück sind Fabrice und Fred da um mich aufzuwecken.

Peer: Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein Brettspiel über eine Messe zu machen, auf der man wirklich Brettspiele kaufen kann?

Etienne: Ich weiß es nicht. Nur so zum Spaß, denke ich. Persönlich bevorzuge ich ein Spiel über Spiele als ein Spiel über den Krieg. Aber die gute Frage wäre, warum hat es keiner vor uns gemacht?

Peer: Vielleicht war es einfach zu offensichtlich ein Spiel über eine Spielemesse zu machen, aber ihr habt es trotzdem gemacht. Ich frage mich warum ihr nur 2000 Einheiten des Spiels produzieren werdet. Ist das Spiel als ein besonderes Geschenk für „Geeks“ und Spieler wie ihr es seid gedacht, oder gibt es Pläne mit Essen Das Spiel 2014 zu expandieren?

Fred: Ich glaube, dass viele Verlage bereits über diese Idee nachgedacht haben, aber noch nicht so weit waren, ich meine andere Verlage zu fragen ob sie einsteigen. Als unabhängige Entwickler und sehr wahrscheinlich dank Etienne und Bruxelles 1893, haben die Verlage ihr Einverständnis gegeben. 2000 Einheiten sind kein Ziel. Essen Das Spiel ist unsere erste Veröffentlichung und um es zu produzieren brauchen wir Geld… traurig aber wahr. Wir haben bereits viel Geld investiert um es auf Kickstarter zu bringen und wir werden mit den dort erzielten Geldern so viele Kopien produzieren wie möglich. Heute reden wir über 2000 Kopien, aber vielleicht werden es morgen 2500 Kopien sein. Warten wir es ab. Obendrein ist die erste Version von Essen Das Spiel über die Spiel ´13. In ein paar Monaten könnte sie altmodisch aussehen. Mit ein paar Verlagen wurden bereits Termine abgemacht um über eine Spiel ´14 Version zu sprechen, aber es ist noch zu früh um eine Veröffentlichung zu garantieren.

Peer: Ich habe es bereits erwähnt, Essen Das Spiel ist ein Spiel über eine Spielemesse. Bitte erzähl uns in deinen eigenen Worten worum es in Essen Das Spiel geht. Was können Spieler erwarten wenn sie euer Spiel spielen?

Fred: Ich bin regelmäßig in Essen. Durch dieses Spiel habe ich versucht die Atmosphäre der Messe einzufangen. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen der Spiel, welche davon abhängen können woher man kommt. Aber Ich glaube, dass die Konzepte, die wir in der finalen Version behalten haben, jedem von uns bekannt vorkommen. Essen ist die Messe auf der man neue Veröffentlichungen aus der ganzen Welt erwerben kann, es ist der Platz an dem man einmal im Jahr sein sollte. Was kannst du von diesem Spiel erwarten? Lebe oder erlebe die Messe. Essen das Spiel ist eine Simulation der Messe, welche auf der Realität basiert. Jeder der Mechanismen in diesem Spiel wurde basierend auf Erfahrungen entwickelt, es ist ein themenbasiertes Spiel. Tatsächlich bin ich davon überzeugt, wenn ich behaupte, dass Essen Das Spiel eins der am meisten Themenbezogenen Spiele ist, die jemals entwickelt wurden und in dem die Mechaniken das Spiel perfekt unterstreichen.

Peer: Welcher Teil / Mechanismus des Spiels war am schwierigsten zu entwickeln und welcher am leichtesten und warum?

Fred: Der einfachste Teil war die Karte der Ausstellungshallen, auch wenn es eine Menge Arbeit war sie an die Aufstellung der Spiel ´13 anzupassen. Tatsächlich war die Entwicklung des Spiels ein langer Prozess. Wir haben viele Möglichkeiten ausprobiert. Ich könnte stundenlang über die einzelnen Schritte sprechen. Zu Beginn der Entwicklung hatten wir einen Mechanismus zur Anzahl / Verfügbarkeit der Spiele, was bedeutetet, dass es abhängig von der Anzahl an Spielern nur eine bestimmte Anzahl von Spielen zum Kauf gab. Es war komplett anders. Ich habe den Prototyp immer noch. Die Entwicklung hin zu dieser Version, nur ein Spiel pro Verlag zu haben, war ein schwieriger Schritt. Den Mechanismus der Wunschliste zu entwerfen war ebenfalls schwierig, auch wenn es nun offensichtlich erscheint.

Peer: Was sind deine Top 5 Spiele im Moment?

Fred: In diesem Jahr habe ich nicht viel gespielt. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht Essen Das Spiel zu entwickeln. Ich habe einen riesigen Rückstand, also werde ich meinen Joker bei dieser Frage einsetzen.

Peer: Gibt es Spiele, die euch während der Entwicklung eures eigenen Spiels inspiriert haben?

Fred: Nicht wirklich. Wie bereits erwähnt, wurden die Mechaniken entwickelt um dem Spiel zu entsprechen. Das einzige Spiel, das ich als Referenz während der Entwicklung herangezogen habe, war Agricola, aber auch nur weil es eine Art Modell ist, ein geistiger Führer, selbst beide haben nicht sehr viel gemeinsam.

Peer: Welche Frage wurde nie gestellt, aber würdest du gerne in einem Interview beantworten?

Fred: Ich möchte ein paar Gedanken teilen, nachdem ich nun 14 Monate an meinem ersten Spiel gearbeitet habe. Zu allererst, von nun an werde ich Spiele und ihre Entwickler respektieren. Vor Essen Das Spiel, habe ich nicht realisiert wie viel Arbeit in einem Spiel steckt. Es ist unglaublich. Dann muss ich sagen, dass ich komplett neu bin in der Welt der professionellen Spieleentwicklung und die Stimmung mag. Ich habe in den letzten Monaten so viele nette Leute kennengelernt. Ich hätte nicht gedacht, so viel Unterstützung von den Verlagen zu bekommen, doch es passierte regelmäßig während der Entwicklung des Spiels. Ist dies der Nutzen oder der Effekt von Essen Das Spiel, ich weiß es noch nicht, aber ich mag es. Zu guter Letzt, eine Kickstarter Kampagne durchzuführen mag von außen her einfach aussehen, aber das ist es überhaupt nicht. Nach dieser ersten Erfahrung könnte ich bereits ein Buch darüber schreiben.

Peer: Ich danke euch beiden für das Interview. Gibt es noch etwas, das ihr hinzufügen möchtet? Ein paar letzte Worte für unsere Leser?

Fred: Essen Das Spiel ist erst der Anfang einer langen Geschichte, schließt euch uns an.

Peer

Blogger, Lektor & Übersetzer. Leidenschaftlicher Spieler von Gesellschaftsspielen. Gründer von erklaerpeer.de.
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