Interview mit Michael Menzel

© Michael Menzel

Eigentlich ist Michael Menzel Illustrator von Beruf, doch es gab einen Zeitpunkt an dem er und sein Sohn, in Ermangelung passender Alternativen, angefangen haben selbst ein Spiel zu entwickeln. 2012 kam dann „Die Legenden von Andor“ auf den Markt und der Rest ist Geschichte. Mit „Die letzte Hoffnung“ beendet er nun seine Andor-Triologie.

Peer: Hallo Herr Menzel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Bitte stellen Sie sich unseren Lesern einmal vor.

Michael Menzel: Ich bin 40 Jahre alt, lebe mit meiner Familie am schönen Niederrhein und habe seit über 10 Jahren das große Glück als Spiele-Illustrator arbeiten zu dürfen.

Mittlerweile sind über 200 Spiele mit meinen Illustrationen erschienen, darunter das Kinderspiel des Jahres 2016 „Stone Age Junior“ und das Kennerspiel des Jahres 2013 „Die Legenden von Andor“.

Peer: Bevor Sie mit dem Illustrieren von Brettspielen begonnen haben, haben Sie in der Computerspielbranche gearbeitet. Wie kam es zum Wechsel vom digitalen Spiel hin zum analogen Spiel?

Michael Menzel: Durch Zufall. Das Entwicklerstudio, in dem ich gearbeitet habe, wurde mit der digitalen Umsetzung der „Sternenfahrer von Catan“ betraut. Dabei entstanden die Kontakte, die ich Jahre später, als das Studio in die Insolvenz ging, nutzen konnte, um einen ersten Probe-Auftrag für ein Kartenspiel zu bekommen. Mir war schnell klar, dass sich hier eine einmalige Gelegenheit bot. Die wollte ich nutzen!

Peer: Um welches Kartenspiel handelte es sich und wie unterschied sich die Arbeit daran zu der Arbeit an Computerspielen?

Michael Menzel: Es ging um das Kartenspiel Manga Manga. Der große Unterschied zwischen der Arbeit an einem Brett- oder Kartenspiel zum Computerspiel ist, dass bei letzterem immer viele Leute beteiligt sind. Selbst eine einfache Figur wird von einem 2D-Artist illustriert, einem 3D-Artist modelliert, einem Programmierer bewegt, etc. Am Ende ist man immer nur ein kleines Rädchen im gesamten Gebilde. Man arbeitet ständig im Team. Beim Brettspiel bin ich ganz allein für die Illustration verantwortlich.

Peer: War dies befreiend für Sie?

Michael Menzel: Ich arbeite gerne im Team. Aber ich übernehme auch gerne Verantwortung. Wenn ich einen Fehler in einer Illustration mache, dann ist das mein Fehler. Und wenn eine Illustration den Leuten gut gefällt muss ich nicht einschränken: „Ja, aber das Modell hat X gemacht und das andere kam von Y …“ Das gefällt mir persönlich besser.

Peer: Sie sind nicht nur als Illustrator tätig, sondern haben 2012 auch das Spiel „Die Legenden von Andor“ veröffentlicht, für das sie zudem auch die Illustrationen angefertigt haben. Wie kamen Sie auf die Idee ein Spiel zu entwickeln? War dies für Sie der nächste logische Schritt?

Michael Menzel: Auch hier kam die Motivation eher zufällig zu Stande. Mein Sohn und ich sind große Herr der Ringe Fans und wir wollten ein Spiel zu so einem Fantasy Thema spielen. Leider waren die Spiele, die wir fanden, entweder extrem anspruchsvoll oder sehr abstrakt. Also haben wir angefangen unser eigenes Rollen-/Brettspiel zu basteln. Das wurde dann in jedem Urlaub mitgenommen und ich erwischte mich immer häufiger dabei, wie dieses Spiel in meinem Kopf rumspukte. Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und es dem Spiele-Redakteuer Wolfgang Lüdtke gezeigt. Hätte er es doof gefunden, hätte ich es sicher begraben und nicht weiter gezeigt. Glücklicherweise war er begeistert.

Peer: Und nicht nur er war begeistert, denn 2013 hat „Die Legenden von Andor“ die Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres 2013“ erhalten. Was ging in Ihnen vor als sie die Nominierung erhalten haben und wie erging es Ihnen, als Sie dann den Preis tatsächlich erhalten haben?

Michael Menzel: Die Nominierung war großartig und bereits ein riesen Erfolg. Aber dann ist es schon ein bisschen wie im Finale der Champions League zu stehen. Dann will man das Ding natürlich auch gewinnen und die Monate zwischen Nominierung und Verleihung sind aufreibend. Allerdings nichts gegen die Nacht vor der Verleihung. Ohne Schlaf den Sekunden beim Ticken zuzugucken … als dann bei der Verleihung das Schwarze Tuch gelüftet wurde und Andor zum Vorschein kam, war das einfach großartig. Seither sind so viele tolle Sachen rund um Andor passiert.

Peer: Das Offensichtlichste sind sicher die ganzen Spiele und Erweiterungen in diesem Universum sowie der Roman. Was ist sonst noch passiert?

Michael Menzel: Mit dem Erfolg von „Die Legenden von Andor“ lag es natürlich auf der Hand Erweiterungen und Spin Offs, wie den Roman oder das Kartenspiel zu entwickeln.

Was für mich völlig überraschend kam, war der Kontakt mit den Fans. Das Forum „Die Taverne von Andor“ wurde ursprünglich eingerichtet, um Regelfragen schnellstmöglich beantworten zu können und um den Fans die Möglichkeit zu geben eigene Fan-Legenden zu veröffentlichen. Doch über die Jahre ist eine wirklich nette Community entstanden. Ich habe über Andor so viele nette und interessante Menschen kennengerlernt. Das ist mir einfach sehr viel Wert und damit hatte ich nicht gerechnet.

Peer: Einen Roman zu einem Brettspiel zu veröffentlichen ist ja nicht unbedingt etwas naheliegendes. Wie kam es dazu?

© Michael Menzel

Michael Menzel: „Die Legenden von Andor“ ist ja ein sehr erzählerisches Spiel. Eine starke Hintergrundgeschichte rund um das Land Andor musste entwickelt werden, damit die Welt stimmig und glaubhaft wirkte. Ich hatte das große Glück, dass meine Frau so etwas schon immer mal schreiben wollte. So entstand die Geschichte um König Brandur, der als Sklave mit eine kleinen Schar aus der Tyrannei flieht, dabei einem Drachen entkommt und anschließend das Land Andor gründet. Mit dem Erfolg des Spiels entstand der Gendanke, dass man aus der Geschichte auch einen Roman machen könnte. Und weil der KOSMOS-Verlag auch ein Jugendbuchverlag ist, fiel die Entscheidung leicht. So kam eins zum anderen. Am Ende wurde die direkte Vorgschichte zum Grundspiel daraus. Der Leser erlebt darin das erste gemeinsame Abenteuer von Bogenschützin, Zauberin, Krieger und Zwerg und erfährt was es mit dem „Lied des Königs“ auf sich hat.

Peer: Bringen Sie sich selbst regelmäßig in der Taverne ein oder sind Sie dort nur stiller Mitleser?

Michael Menzel: Ich bin sehr gerne in der Taverne von Andor zu Gast und melde mich dort auch, vor allen Dingen wenn jemand eine Regelfrage hat. Aber ich nutze das Forum auch über die üblichen Grenzen hinaus für Live-Treffen mit den Fans, Previews auf die kommenden Neuheiten oder Gewinnspiele. Gerade letztere sind sehr beliebt, weil es hier so manche Rarität zu gewinnen gibt.

Peer: Mit „Die letzte Hoffnung“ erscheint im September der dritte und letzte Teil der Andor-Trilogie. Wann kam Ihnen die Idee aus Andor eine Trilogie zu machen und woraus ist diese entstanden?

Michael Menzel: Die Storyline hatten meine Frau und ich schon nahezu von Anfang an im Kopf. Es war klar, dass die Helden, die aus einem kleinen Volk entflohener Sklaven hervorgingen, eines Tages den ehemaligen Herren die Stirn bieten würden. Diese Geschichte war aber zu groß für eine Box, also haben wir ein Ende für Teil I gesucht. Der Sieg über den Drachen war ein guter Schlusspunkt.

Damit hätte es enden können. Glücklicherweise wurde das Spiel sehr erfolgreich und wir waren in der Lage auch noch Teil II und Teil III zu erzählen. Anders als bei anderen Brettspielfamilien hoffen wir, mit der „Endlichkeit“ auch einen gewissen Sog auszuüben. Man will doch schließlich wissen wie die Geschichte endet.

Peer: Gerade bei sehr erfolgreichen bzw. beliebten Spielen rufen die Spieler immer nach mehr. Ist dies wirklich das Ende oder könnten Sie sich vorstellen noch kleinere Erweiterungen zu veröffentlichen oder vielleicht eine Bonus-Legende, die alle drei Spiele umfasst?

Michael Menzel: „Die Letzte Hoffnung“ ist der abschließende Teil der Trilogie. Ob es weitere Bonus-Abenteuer oder Spin Offs geben wird, kann ich noch nicht abschätzen. Für mich persönlich war es einfach toll die Geschichte auf eine Trilogie auszulegen. 3 Akte, die für sich jeder was besonderes haben. Ich hatte bei der Entwicklung von Teil III ständig das Gefühl, dass das was ich jetzt nicht erzähle, nie mehr erzählt wird. Das war sehr reizvoll und ein toller Ansporn. Darum sind es am Ende auch 7 epische Legenden geworden. Ein wirklich großes Finale.

Peer: Wird es nach „Die letzte Hoffnung“ weitere Brettspiele aus dem Hause Menzel geben oder konzentrieren Sie sich erstmal voll und ganz auf Ihre Arbeit als Illustrator?

Michael Menzel: Ich bin und bleibe Illustrator. Das Malen ist meine große Leidenschaft. Falls ich noch mal ein Spiel entwickeln sollte, dann müsste es schon so sein wie bei Andor. Also so, dass ich „sowas“ gerne spielen würde, es das aber in der Form noch nicht gibt.

Peer: Mussten Sie auch schon extra Andor-Bilder für Freunde und Bekannte anfertigen?

Michael Menzel: Nein. Aber natürlich verfolgen die Freunde und bekannten die Entwicklung Andors gespannt und in ihrem Umfeld machen alle fließig Werbung für das Spiel.

Peer: Welche Spiele kommen bei Ihnen derzeit öfter auf den Tisch und auf welche noch unveröffentlichten Spiele freuen Sie sich in 2016?

Michael Menzel: Bis vor einigen Tagen hatte ich nur Andor Teil III auf dem Tisch. Zum privaten Spielen bin ich schon lange nicht mehr gekommen. Wenn Andor III abgeschlossen ist, freue ich mich auf ein paar Nürnberger Neuheiten wie z.B. Dream Islands von Schmidt Spiele. Auch muss ich gestehen, dass ich Codenames noch nicht ausprobieren konnte, auf das ich große Lust habe. Über die unveröffentlichten Spiele darf ich ja noch nichts verraten, aber „First Class“ bei Hans im Glück wird auf jeden Fall häufiger bei mir auf den Tisch kommen.

Peer: Was machen Sie wenn sie nicht gerade malen oder Spiele illustrieren?

Michael Menzel: Auch wennn ich viel zu selten dazu komme: Ich lese sehr gerne.

Peer: Die letzten Worte gehören Ihnen.

Michael Menzel: Ich danke ihnen für die interessanten Fragen und wünsche noch viel Spaß mit erklaerpeer.de.

 

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Blogger, Lektor & Übersetzer. Leidenschaftlicher Spieler von Gesellschaftsspielen. Gründer von erklaerpeer.de.
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