Angespielt – Kingdom Death: Monster 1.5

Inzwischen haben wir einige Abende mit dem opulenten Spiel Kingdom Death: Monster verbracht, und möchten dieses Erlebnis natürlich niemandem vorenthalten. Als Neueinsteigerin bei der zweiten Kickstarter-Kampagne sind meine Erfahrungen noch besonders frisch.

Warten

Normalerweise begeistere ich mich für eine Kickstarter-Kampagne, investiere, vergesse das Projekt so halb und freue mich dann Monate später über ein überraschend in meinem Briefkasten auftauchendes  Paket. Nicht so bei Kingdom Death: Monster. Irgendwie hat mich dieses Spiel von Anfang an gepackt. Und ich möchte es haben. Möchte es spielen, und zwar sofort.  Jedes Email-Update der Kampagne wird verschlungen und nach der einen, der entscheidenden Information durchforstet: Wann ist es endlich da? Endlich kommt die erlösende Email: Ihr Paket wurde verschickt. Und dann ist er da, der größte Spielekarton den ich je besessen habe.

Schwarze Kiste

Kiste

Die schwarze Kiste, Banana for Scale 🙂

Ehrfurchtsvoll stelle ich die schwarze Kiste, die mit ihrem ebenfalls schwarzen Print wirklich beeindruckend düster ist, mitten auf meinen Wohnzimmertisch. Deckel auf, noch mehr schwarz. Eine unscheinbare flache Schachtel in der Kiste, bis obenhin voll mit grauen Plastikrahmen voller Arme, Beine und Fangzähne. Das sind also die Miniaturen. Das nächste halbe Jahr ist Langeweile wohl keine Option, denke ich mir, als ich sie alle nacheinander genauer anschaue. Das sieht verdammt nach Arbeit aus. Jetzt aber erst einmal weiter auspacken. Ein riesiges Spielbrett, ein Block mit Charakterbögen, haufenweise Karten, Kacheln und Pappteile, ach ja, und natürlich: Würfel. Aber das ist noch nicht alles. Es kommt auch noch ein Buch zum Vorschein. Ein komplettes, gebundenes Buch voller Spielregeln. Eindeutig das Herz der schwarzen Kiste.

Schmökern und kleben

Miniaturenbox

Viel zu tun – die Miniaturen-Box

Mit dem Buch verziehe ich mich erstmal auf mein Sofa. Bei so vielen Regeln ist es vermutlich besser, schon mal mit dem Lesen anzufangen. Ich werde aber überrascht. Das hier ist kein klassisches Regelwerk, das man am besten von vorn bis hinten liest und dann noch auswendig lernt. Das Buch beginnt  vielmehr wie eine Geschichte. Schon auf den ersten Seiten  werde ich mit düsteren Bildern und einigen wenigen Sätzen in die Welt von Kingdom Death  hineingesogen. Dann lese ich, dass ich aus der großen Miniaturenschachtel zumindest vier zusammengesetzte Menschen und einen ersten Gegner brauche, um wirklich anzufangen. Und dass das Spiel mit einem Prolog beginnt, in welchem die wichtigsten Regeln während des Spielens erläutert werden. Also weg mit dem Buch und her mit Skalpell, Zange und Klebstoff.

Der Anfang

Und dann ist es endlich soweit. Die furchtlosen Helden stehen auf ihren Plastiksockeln, ein weißer Löwe schleicht über den Spielplan. Meine eigene Begeisterung hat zumindest eine zweite Neugierige an meinen Spieltisch gelockt. Wir sind bereit für das erste Abenteuer. Insgeheim habe ich gerade ein wenig Angst fürchterlich enttäuscht zu werden, weil meine Erwartungen hoch und lange geschürt sind.  Aber egal, Hauptsache wir fangen endlich an. Das Buch aufklappen  und  schon sind wir mittendrin. Mit nichts als einem scharfkantigen Stein in der Hand bewaffnet, stellen wir unsere Menschenfiguren dem weißen Löwen gegenüber.  Der überragt diese lässig um mehrere Köpfe.  Das Monster im Titel dieses Spiels ist ernst gemeint, das ist spätestens jetzt klar. Allein der Anblick sorgt dafür, dass uns mulmig wird. Und schon greift der Löwe an. Ab jetzt konzentrieren wir uns voll darauf, unsere Menschen und damit die Zivilisation, die wir in dieser ungastlichen Welt gründen sollen, am Leben zu erhalten.

Regeln und Spielen

Regeln und Würfel

Das Wichtigste auf einen Blick: Regeln und Würfel

Dass wir uns nicht nur dem weißen Löwen, sondern gleichzeitig einem ziemlich komplexen Regelwerk stellen, fällt uns in der Hitze des Gefechts kaum auf. Zu Beginn des Prologs sind noch alle Spielschritte fest vorgegeben. Daher  finden sich für alle im Kopf auftauchenden Fragezeichen schnell die passenden Antworten im  Buch. Für die erste Spielstunde genügt es, zwischen zwei Seiten hin und her zu blättern. Danach kommen langsam mehr dazu.  Den Fehler, das  Herz des Spiels aus der Hand zu legen, begehe ich an diesem Abend nur einmal. Danach bleibt es aufgeschlagen auf meinen Knien liegen. Immer wieder benötigen wir neue Informationen, passieren neue Dinge, müssen Entscheidungen herbeigeführt werden. Zum Glück gibt es zwei Lesezeichen, die dabei helfen, das Wesentliche beim vielen Blättern nicht aus den Augen zu verlieren.

Des Löwen Lust

Löwendeck

Der Löwe und sein Kartendeck

Immer wieder entscheidet das Würfelglück darüber, wer im erbitterten Kampf die Oberhand gewinnt.  Der Löwe  kämpft mit Klauen und Zähnen, die Menschen mit Waffen oder Fäusten. Es wird gewürfelt für Treffer und Schaden. Unser Gegner ist dabei vor allem eins: quicklebendig. Während andere opulente Spiele oft und das klassische Rollenspiel immer einen Spielleiter benötigen, handelt der weiße Löwe selbstständig mit Hilfe eines eigenen Kartendecks. Abwechselnd ziehen wir immer zwischen den eigenen Aktionen eine Löwenkarte und erfahren so, was das Ungeheuer als nächstes tut. Wenn ich in die Rolle des Löwen schlüpfe bin ich mitunter ziemlich hin und hergerissen zwischen der Lust, Spielfiguren zu hetzen und zu zerfleischen und meinem unguten Bauchgefühl. Immerhin sind es ja die von uns verkörperten Menschen, denen es hier an den Kragen geht.

Im Eifer des Gefechts

im Gefecht

Plötzlich ein Schreckmoment: Ich ziehe den Löwen ungeschickt am Schwanz, er dreht sich brüllend um und springt mir ins Gesicht.  Ich muss auf dem Charakterbogen des von mir gespielten Menschen zwei Kreuze machen. Schwere Wunde am Kopf. Die Figur wird auf die Seite gelegt, den Armen hat’s glatt umgehauen. Doch gleich darauf ein Treffer, die Steinscherbe des nächsten Menschen dringt tief in die ungeschützte Flanke des Untiers. Wir jubeln. Für jeden Treffer, den der Löwe einsteckt, dürfen wir eine Karte aus seinem Deck entfernen. Damit verringern sich die Handlungsmöglichkeiten unseres Gegners nach und nach. Sobald wir die letzte Karte auf diese Art entsorgt haben, ist der Löwe fast geschlagen. Beim nächsten Treffer wird er sterben. So weit ist es aber noch nicht. Bis dahin bekommen nicht nur wir, sondern auch der Löwe zum Teil dauerhafte Wunden. Seine Laune hebt das nicht gerade, und das lässt er uns deutlich spüren.

Sieg

Nach vier Stunden ist der Prolog überstanden. Der Löwe ist tot. Einer von unseren vier Menschen leider auch. Auf der Skala für schlimmere Wunden habe ich eine Eins für ihn gewürfelt. Das ist das schlimmste, was passieren konnte.  Ein Knochensplitter durchbohrt sein Herz, da ist nichts mehr zu machen. Die verbliebenen drei ziehen weiter, finden ein mehr oder weniger friedliches Plätzchen, und beschliessen, dort zu bleiben. Wir entscheiden uns dagegen, unseren gefallenen Kameraden zu verspeisen, und schaufeln das erste Grab. Ein Grundstein für  unsere neu zu gründende Zivilisation ist damit gelegt. Der Würfel entscheidet darüber, dass sich unserem kleinen Lager zehn weitere Überlebende anschließen. In unserem kleinen Dorf entsteht eine gewisse Geschäftigkeit. Die ins Lager geschleppten Überreste des Löwen werden verarbeitet, es entstehen Knochendolche und Lederwesten. Auch wir lehnen uns zurück und atmen durch. Dann grinsen wir uns an. Das hat Spaß gemacht, bringt meine Mitspielerin es auf den Punkt.  Stimmt, sage ich, grinse zurück und bin vor allem eines: sehr froh, dass das Spiel meinen hohen Erwartungen vollends standgehalten hat.

Weiter!

mehr...

in dieser Kiste steckt noch sehr viel mehr…

Am liebsten würden wir sofort den nächsten Gegner jagen. Denn unsere Dörfler brauchen Nahrung. Mehr Material um Waffen zu fertigen und bessere Kleidung. Allerdings haben wir auch das Gefühl bis oben hin vollgestopft zu sein mit neuen Regeln. Heute können wir definitiv keine einzige mehr dazulernen. Also landen der Löwe und seine menschlichen Mitstreiter  wieder in der schwarzen Kiste. Der Neugier auf dieses Spiel hat unsere erste Runde Kingdom Death Monster definitiv keinen Abbruch getan. Zu viel Gegner und Herausforderungen lauern noch unentdeckt in der schwarzen Kiste auf unsere Dorfbewohner. Eine schreiende Antilope, ein wohl nicht ganz so freundlicher Metzger, ein unheimlicher Wächter. Um nur ein paar der zwielichtigen Gestalten zu nennen, die uns und unsere Dorfbewohner noch erwarten. Wir werden weiterspielen, und natürlich werden wir hier davon berichten.

Auf einen Blick

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Vera

Spielkind, Biologin,Wissenschaftsnerd. Mit Herz, Pinsel und Tastatur an diesem Blog beteiligt.

Über Vera

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