Vorgestellt – Bohnanza

Von Brech- über Garten-, bis hin zur Sojabohne wird hier mit allem gehandelt, was in Schoten wächst. Die Spieler feilschen, handeln und verschachern ihre Bohnen, immer darauf bedacht die eigene Ernte zu retten. Wer die meisten goldenen Taler verdient, gewinnt.

Die Neuauflage von Bohnanza wurde uns freundlicherweise von Amigo kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Wertung des Spiels.

Das Spiel

Bohnanza kommt in einer praktischen Minischachtel daher, in der zwei Spielkartenstapel gut nebeneinander Platz finden. Das kompakte Format eignet sich bestens um in jede Reisetasche zu passen und lässt sich, dank der signalgelben Aufmachung, auch jederzeit darin wiederfinden. Die 104 enthaltenen Spielkarten sind von guter Qualität und halten viele Jahre des ausgiebigen Bohnenfeilschens locker durch. Außerdem im Karton enthalten sind sechs dritte Bohnenfeld-Karten und die Spielanleitung.

Jede der Spielkarten zeigt auf der Rückseite einen goldenen Taler. Auf der Vorderseite ist jeweils eine von acht verschiedenen Bohnensorten abgebildet. Jede Sorte ist liebevoll und mit viel Humor gezeichnet. Ins Bild integriert ist eine Zahl, die verrät, wie oft jede Bohnensorte im Spiel vorkommt. Unter der Abbildung der Bohne ist außerdem das sogenannte „Bohnometer“ zu sehen. Dieses zeigt an, wie viele Bohnen der jeweiligen Sorte gesammelt werden müssen, um die entsprechende Anzahl Taler zu verdienen. Das Wissen über die Häufigkeit und die Erträge jeder Bohnensorte machen erste taktische Erwägungen möglich. Sammele ich Feuerbohnen, die häufig sind, aber nur in großer Anzahl goldene Taler einbringen? Oder versuche ich mich an der Gartenbohne, im ganzen Kartenstapel nur sechs Mal vorhanden, dafür aber jede einzelne einen stolzen Taler wert? Doch später mehr zur Taktik, jetzt geht’s erst mal an die Spielvorbereitung.

Spielvorbereitung

Alle Bohnenkarten werden ausgiebig gemischt. Ausgiebig deshalb, weil beim Spielen die Bohnen nach Sorten geordnet werden, und eine gesunde Bohnenmischung im Zugstapel den Spielspaß erhöht. Jeder Spieler (3-5), erhält fünf Handkarten, der Rest bildet einen Zugstapel in der Tischmitte. Ganz wichtig, und Neueinsteigern früh genug zu vermitteln ist, dass diese Handkarten niemals, unter keinen Umständen, ja nicht mal im Falle einer Bohnokalypse, auf der Hand gemischt oder sortiert werden dürfen! Jeder Spieler nimmt den vor Ihm liegenden Stapel auf die Hand und fächert die Karten auf. Von der vordersten Karte ausgehend wird gespielt, hinter die letzte werden nachgezogene Karten eingereiht. Immer.

Und schon geht’s los

Bei dem Versuch, ein reicher Bohnenhändler zu werden, sind von Anfang an und über das ganze Spiel hinweg alle aktiv. Während reihum jeweils ein Spieler am Zug ist, können alle Anderen mit diesem Handel treiben. Wer während des Zuges eines Anderen träumt, kann also jederzeit das Geschäft seines Lebens verpassen!

Die Tischplatte wird für den Anbau der Bohnen genutzt. Pro Spieler gibt es zwei Bohnenfelder. Auf jedem Feld darf immer nur eine Sorte Bohnen angebaut werden. So entstehen im Laufe des Spieles lange Reihen von Bohnen vor jedem Spieler, die, je länger sie werden, eine immer reichere Ernte einbringen. So schön es wäre, die ausgewählten Bohnensorten immer bis zur maximalen Anzahl Taler zu züchten, immer wieder kommen den Spielern auf unterschiedliche Weise andere, gerade völlig unpassende Bohnen in die Quere.

Ein Spielzug

Das Spiel in vollem Gange

In jedem Zug müssen zuerst die vordersten Handkarten auf den Tischfeldern angebaut werden. Wenn auf beiden Feldern schon andere Bohnensorten wachsen, muss vor dem Anbau geerntet werden. Sofort, und auch schon mal ohne einen einzigen Taler für eine angefangene Sammlung zu erhalten.

Anschließend legt der aktive Spieler zwei Karten vom Zugstapel offen vor sich aus. Die muss er jetzt irgendwie loswerden. Passen sie zu den selbst angebauten Bohnen, wunderbar, ab aufs eigene Bohnenfeld. Passen Sie nicht, bloß weg damit! Meistens gibt es zum Glück irgendwen, der genau die Bohne anbaut, die man selbst so gar nicht braucht. Diejenigen, die nicht am Zug sind, dürfen ihre Handkarten zum Tausch für die ausliegende Ware anbieten. Das bedeutet für sie, dass jetzt Gelegenheit ist, die eigenen Handkarten so auszudünnen, dass zumindest ganz vorne genau die übrig bleiben, die gerade auf den eigenen Feldern wachsen. Nur so lässt sich vermeiden beim nächsten eigenen Zug wieder unfreiwillig ernten zu müssen.

Eine Feuerbohne gegen eine Brechbohne? Fair. Gartenbohne gegen Feuerbohne? Hier kommen wieder die unterschiedlichen Erträge ins Spiel, die jede Bohnensorte hat. Werde ich hier gerade übers Ohr gehauen? Gut möglich, denn den Verhandlungen sind in diesem Spiel tatsächlich kaum Grenzen gesetzt. Erlaubt ist alles, was mit den wenigen Grundregeln konform ist und womit beide Handelspartner einverstanden sind. Da müssen auch schon mal zwei Saubohnen, eine Brechbohne und eine Feuerbohne gemeinsam über den Tisch gehen um eine Gartenbohne zu erhaschen. Besonders wenn mehrere Spieler an einer Bohne interessiert sind, geht es auf dem Bohnenmarkt wild zu, und die Gebote steigen schnell in schwindelerregende Höhen.

Und was, wenn ich eine echte Ladenhüterbohne erwischt habe, die nicht mal jemand geschenkt nimmt? Dann bleibt nur, sie selbst anzubauen. Hierzu muss im schlimmsten Fall wieder ein schon bestelltes Feld vorzeitig abgeerntet werden. Sind die Verhandlungen für diesen Zug abgeschlossen, zieht der aktive Spieler drei Karten nach, steckt sie hinter die vorhandenen Handkarten und das wilde Tauschgeschäft beginnt mit dem nächsten Spieler aufs Neue.

Da geht noch mehr: Das Grundspiel vergrößern

alle Regenbogenfarben: der bunte Mix an Bohnensorten lässt sich mit Erweiterungen ergänzen

Mit den inzwischen zahlreichen weiteren Bohnenspielen (z.B. Bohnanza Erweiterungs-Set, La Isla Bohnita, Lady Bohn, …) und einer Erweiterung lässt sich das Grundspiel durch viele weitere Bohnensorten ergänzen. Je größer der Zugstapel wird, desto mehr Spieler können mitmachen. Da immer alle Spieler mitverhandeln können, wird die Zeit, bis jeder selbst wieder an der Reihe ist, unterhaltsam überbrückt. Bohnanza ist in der erweiterten Form deshalb auch mit 10 oder 12 Spielern empfehlenswert. Lediglich wenn einem die Handkarten ausgehen, gibt es manchmal eine kleine Pause. Auch dann bleibt es aber witzig, den Verhandlungen der anderen Spieler zu folgen.

Tipp: Das 3. Bohnenfeld, das im Grundspiel für 3 goldene Taler dazugekauft werden kann, sollte, wenn mit sehr vielen Bohnensorten gespielt wird, weggelassen werden. Stattdessen stehen jedem Spieler von Anfang an automatisch drei Bohnenfelder zur Verfügung. Wenn es zu viele Bohnensorten für zu wenige Felder gibt, passiert es sonst schnell, dass alle Spieler zu häufig ernten müssen und das Spiel nicht richtig in Gang kommt. Diese kleine Regeländerung kann das Problem gut beheben.

Neuauflage 2016

links das alte, rechts das brandneue Bohnanza Gewand

Dieses Jahr ist der Spieleklassiker in einer komplett überarbeiteten Neuauflage erschienen. Die vorher imaginären Bohnenfelder sind jetzt als gefaltete Papierunterlage beigelegt. Vielleicht ein Vorteil für absolute Spielneulinge, bis 3 zählen hat aber auch in der alten Version nie Probleme bereitet. Interessant ist hier vielmehr die Idee hinter der Zugabe: Mit einer Vorder- und Rückseite mit 2 bzw. 3 abgebildeten Bohnenfeldern wurde hier versucht, das Spiel ausgewogener für verschiedene Spielerzahlen zu gestalten. Ganz klar ein guter Ansatz. Neben der außerdem neu hinzugefügten Startspielerkarte, die lediglich am Ende des Spiels bei einem möglichen Talergleichstand über Sieg oder Niederlage entscheiden hilft, liegt ein neu illustriertes und völlig überarbeitetes Regelwerk in der Schachtel. Die Überarbeitung ist grafisch durchweg gelungen. Farblich abgesetzt sind die wichtigsten Regeln sofort zu sehen und an vielen Stellen sind zusätzlich nützliche Hinweise hervorgehoben.

Berühmt und berüchtigt: nicht umsonst ziert die Gartenbohne den Schachteldeckel

Regeltechnisch hat sich fast nichts verändert. Neu ist aber, dass gehandelte Bohnenkarten zuerst quer neben die eigenen Felder gelegt werden sollen. Erst wenn die Handelsphase komplett abgeschlossen ist werden diese Bohnen in beliebiger Reihenfolge angebaut. Diese neue Regel hilft, den Überblick in der Handelsphase zu behalten. Für mich als alten Bohnanza-Hasen nervt das zusätzliche Kartengeschiebe aber irgendwie. Wir sind die letzten Jahre auch in sehr großen Spielerrunden bestens ohne diesen „Anbau-Umweg“ ausgekommen.

Fazit: Für Einsteiger lohnt sich das neue Spiel, da die überarbeiteten Regeln den Start in die Welt der Bohnen flüssiger und anschaulicher machen als die alte Version. Für Besitzer des „alten“ Bohnanzas bietet die neue Variante keine Überraschungen. Eine Investition in das Update lohnt sich nicht.

 

Vera meint

Bohnanza ist ein kurzweiliges Familien- und Partyspiel, das schnell süchtig macht und auch nach vielen Spielstunden nicht langweilig wird. Wer clever tauscht, an den richtigen Stellen einen Handel auch mal ausschlägt und es trotzdem schafft, die Geschäftsbeziehungen zu den anderen Spielern warm zu halten, hat gute Chancen auf den Sieg. Spaß macht das Spiel aber auch für nicht ganz so erfolgreiche Bohnenhändler bis zum Schluss. Die Erfahrung zeigt dabei, dass es sich durchaus lohnen kann, auf richtig schlechte Bohnentauschangebote einzugehen, wenn diese von guten Freunden, (Ehe)Partnern oder den eigenen Kindern kommen. Andernfalls kann es passieren, dass nach Spielende noch für eine Weile der Haussegen schief hängt.

Sollten einem die altbekannten Bohnen irgendwann zu eintönig werden, gibt es immer wieder neue Sorten zum austauschen und ergänzen. Das ist eine wirklich schöne Idee. Aber Achtung, bei einigen der neueren Bohnenspiele, die zusätzliche Bohnensorten enthalten, sind auch die Grundsorten wieder mit dabei. Ladybohn enthält außerdem veränderte Grundsorten, die andere Gesamtzahlen und Bohnometer zeigen. Wer mit dem Grundspiel kombinieren möchte, sollte sich daher vorher den Inhalt der einzelnen Schachteln genau anschauen. Um Umsortieren und Aussortieren kommt man in den meisten Fällen aber trotzdem nicht herum. Schade, dass hier nicht auf eine bessere Kombinierbarkeit der Spiele untereinander geachtet wurde.

 

Auf einen Blick

Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.

Vera

Spielkind, Biologin,Wissenschaftsnerd. Mit Herz, Pinsel und Tastatur an diesem Blog beteiligt.

Über Vera

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