Vorgestellt – Cabo

Cabo von Mandy Henning und Melissa Limes ist ein Kartenspiel im Hosentaschenformat. Anders als in so vielen Spielen, geht es hier nicht um das Erlangen der höchsten Punktzahl, sondern der niedrigsten. Wie das geht und warum dieses winzige Spiel die grauen Zellen so richtig fordert, klären wir in der Vorstellung.

Übersicht

Cabo umfasst 55 Karten und kommt in einer entsprechend kleinen Packung daher, die in jede Hosentasche passt. Das Mischen der robusten Karten ist dank der Laminierung ein Traum. Die Spielregeln selbst sind in den Sprachen deutsch, englisch und französisch doppelseitig auf drei der Karten abgedruckt. Mehr braucht es nicht, um in dieses mit surreal anmutenden Illustrationen versehene Spiel einzutauchen.

Jeder der Spieler beginnt das Spiel mit vier verdeckt ausliegenden Karten, von denen er sich nur zwei ansehen darf, und versucht anschließend durch das Ansehen, Tauschen und Abwerfen von Karten mit möglichst wenig Punkten aus einer Runde hervorzugehen. Erreicht ein Spieler am Ende einer Runde eine Gesamtpunktzahl von mindestens 101 Punkten endet das Spiel und der Spieler mit den wenigsten Punkten gewinnt.

Kenne deine Karten

Die 3 Aktionen in 6 Varianten

Die 3 Aktionen in 6 Varianten

Cabo verläuft über mehrere Runden, in denen die Spieler sowohl die eigene Auslage als auch die der anderen Spieler so manipulieren, dass man selbst möglichst niedrige Zahlen ausliegen hat und die Gegner eben möglichst hohe. Ist man an der Reihe, darf man „Cabo“ ansagen (dazu später mehr) oder eine Karte vom offenen Ablagestapel oder verdeckt vom Nachziehstapel ziehen. Eine gezogene Karte sieht man sich (geheim) an und  tauscht sie mit einer (oder mehreren gleichwertigen) Karte(n) der eigenen Auslage. Die ausgetauschte(n) Karte(n) kommen sodann auf den Ablagestapel.

Kommt die gezogene Karte vom Nachziehstapel, darf man die gegebenenfalls abgedruckte Aktion ausführen und wirft die Karte anschließend ab, anstatt sie in die eigene Auslage zu legen:

  • Peek: Im Geheimen eine eigene Karte ansehen
  • Spy: Im Geheimen eine Karte eines Gegners ansehen
  • Swap: Eine eigene Karte mit einer beliebigen Karte eines Gegners tauschen, ohne sie anzusehen

Mithilfe dieser Karten – und der Beobachtung der Reaktionen der Gegner beim Ausspielen selbiger – kann man ungefähre Rückschlüsse auf das Blatt aller Spieler ziehen und damit den nächsten eigenen Schritt planen.

Die 4 nehmen oder zocken?

Die 4 nehmen oder zocken?

Das klingt aber einfacher, als es ist.  Nicht nur die Werte der Karten, sondern auch die Position der bekannten Karten in der eigenen (und gegnerischen) Auslage muss man sich merken, da man sich die Karten – abgesehen vom Rundenbeginn – nicht frei ansehen kann. Da tauscht man Karten, bekommt welche untergeschoben und so weiter. Wer hier nicht aufpasst, verliert schnell den Überblick. Besonders beim Tausch mehrerer Karten auf einmal kann es passieren, dass man mal eine falsche Karte aufdeckt und so den anderen Spielern seine Karten unfreiwillig offenbart. Der Tausch ist dann natürlich hinfällig. Der gefühlte Supergau ist, wenn man ungewollt eine niedrigzahlige Karte auf den Ablagestapel wirft und mit einer weniger vorteilhaften tauscht (was zu regelmäßiger Erheiterung führt).

„Cabo“

Das Einhorn verspricht Glück

Anstatt eine Karte zu ziehen, darf man auch „Cabo“ ansagen; nämlich am besten dann, wenn man sein Blatt für dasjenige hält, das unter allen Spielern die niedrigste Summe enthält. Anschließend dürfen alle anderen Spieler noch je einen Zug ausführen. Das ist dann auch der Herzklopf-Moment, in dem man inständig hofft, dass kein Spieler eine Swap-Karte zieht und gegen einen selbst einsetzt. waren alle anderen Spieler am Zug, kommt die Rundenwertung und es wird aufgedeckt. Der Spieler mit der niedrigsten Summe in seiner Auslage verlässt die Runde mit 0 Punkten und die übrigen Spieler gehen mit dem aus der Runde, was ihre Karten zeigen. Hat der „Cabo“-Rufer wider Erwarten nicht die niedrigste Summe, bekommt er seine volle Punktzahl plus 5 Strafpunkte ab. Die in dieser Runde gesammelten Punkte werden mit Zettel und Stift je Spieler aufaddiert.

Danach wird abgeräumt und eine neue Runde mit neu ausgeteilten Karten beginnt.  Das geht so lange weiter, bis ein Spieler mindestens 101 Punkte angehäuft hat – wer dann wiederum insgesamt die wenigsten Punkte hat, gewinnt.

Kamikaze

Zusätzliche Unberechenbarkeit bringen (theoretisch) die Kamikaze- und „Genau 100“-Regeln ins Spiel. Ersteres tritt ein, wenn ein Spieler am Ende der Runde je zweimal die 12 und die 13 in seiner Auslage aufdeckt. Dann geht er automatisch mit 0 Punkten aus der Runde und drückt den anderen Spielern 50 Punkte zusätzlich aufs Konto.

„Genau 100“ tritt – wenig überraschend – dann in Kraft, wenn ein Spieler am Ende einer Runde insgesamt genau 100 Punkte angesammelt hat. Dessen Punktestand wird dann mal eben auf 50 reduziert und wendet das Blatt für diesen Spieler.

In der Theorie klingt beides ziemlich cool – vorgekommen ist es aber noch nie bei uns.

Pierre meint

Cat for Scale

Cabo zu erklären ist zunächst komplizierter, als das Spiel eigentlich ist. Wann man eine Aktion nutzen darf, von wo man Karten nehmen darf, und dass „Cabo“ rufen nur erlaubt ist, wenn man auf das Ziehen einer Karte verzichtet… Insbesondere Kamikaze und „Genau 100“ machen’s nicht besser. Ich neige deshalb mittlerweile dazu, diese Regeln (zunächst) einfach wegzulassen. Sie verkomplizieren die Erklärung und haben praktisch keinen Nutzen.

Haben alle Spieler die Grundidee aber einmal verinnerlicht, flutscht es und Downtime wird zum Fremdwort. Das eigene Blatt zu optimieren und das der anderen Spieler zu sabotieren ist immer wieder für gehässige Sprüche gut und sorgt für gute Stimmung am Tisch.  Ebenso kann es passieren, dass man mit einem sensationellen Blatt „Cabo“ ruft, und plötzlich per Swap von einem Gegner alles zunichte gemacht wird – Schadenfreude inklusive. Oder man tauscht wieder mal eine 1 gegen eine 13. Wer den Schaden hat…

Cabo vermengt ein wenig „Nimm das“, Deduktion, Merkspiel und Glück zu einem spannenden Kleinod, das man immer wieder hervorkramen kann; als Absacker wie auch als Aufwärmer. Und das Mischen der Karten macht einen Heidenspaß. Das allein ist die Anschaffung schon wert.

 

Auf einen Blick

SpieldesignMandy Henning, Melissa Limes
IllustrationenAdam Peele
Erschienen beiEventide Games, Smiling Monster Games
Erscheinungsjahr2010
Spieleranzahl25
Spieldauerca. 30 Minuten
Empfohlenes Alterab 8 Jahren
MechanismenKarten ausspielen, Merken
Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.
Pierre

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Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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