Vorgestellt – Das Allerbeste Baumhaus

Heutzutage haben insbesondere Stadtkinder immer weniger die Möglichkeit, mal einen Baum zu erklimmen, geschweige denn jemals ein handgeklöppeltes Baumhaus zu betreten. Die Gründe sind vielfältig. Umso erfreulicher, dass man das zumindest auf dem Spieltisch im Geiste nachholen kann. Ob das imaginäre Klettern und Bauen Spaß macht, erfahrt ihr hier.

Das Spiel wurde uns freundlicherweise vom 2 Geeks-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Wertung des Spiels.

Überblick

Das Spiel besteht aus 89 Karten, einem Regelblatt und 8 Holzmarkern, die in einer voluminösen Blechdose untergebracht sind. Die Karten sind hochwertig produziert und halten intensivem Mischen stand, sind in unserem Exemplar jedoch ungewöhnlich stark gewölbt. Die Holzmarker der Farben rot und orange sehen sich sehr ähnlich und sind mitunter kaum zu unterscheiden. Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass jeder Raum eine einzigartige und liebevoll gestaltete Illustration spendiert bekommen hat. Da gibt es z.B. eine Lasertag-Arena, einen Burgerstand, oder eine Kletterwand, wobei jeder Farbe ein Thema zugeordnet ist (Sport, Wasser, etc.).

In Das Allerbeste Baumhaus geht es darum, in 3 Runden ein eigenes Baumhaus zu errichten. Aber nicht irgendeines und schon gar keines mit nur einem engen Raum. Hier wird hoch gestapelt und mehr als  ein Dutzend Räume auf den Baum geflanscht, um kräftig zu punkten. Wer am Ende der dritten Runde am klügsten gebaut (und somit die meisten Punkte gesammelt) hat, gewinnt.

Klein anfangen

Groß und doch im Gleichgewicht (gelbe Scheibe)

Unten rechts: Blau ist verbaut. Knabberkram nicht inbegriffen.

Den Anfang machen die Spieler mit je einem eigenen Baumstamm, der die Grundlage für ihre Konstruktion bilden wird. Im Rahmen eines Drafting-Systems wählen die Spieler Raumkarten aus einer Kartenhand von jeweils 6 Karten, die sie an ihren Baum anbauen wollen. Jeder Raum ist dabei einer von 6 Farben zugeordnet. Sobald alle Spieler eine Karte ausgewählt haben, platzieren sie ihre Räume im eigenen Baum. Dann werden die Kartenhände weitergegeben, eine Karte platziert, und so weiter, bis nur noch eine Karte in den Kartenhänden übrig ist.

Dabei gilt es im Wesentlichen zwei Regeln zu beachten: Zum Einen muss der Baum immer im Gleichgewicht bleiben. Wird z.B. ein Raum links von der Lotrechten des Baums platziert, neigt letzterer sich in die selbe Richtung. Bevor wieder ein Raum auf der linken Seite entstehen kann, muss auf der rechten Seite ein Ausgleich geschaffen werden. Dargestellt wird dies durch drei Punkte und einem Marker auf der Baumkarte, die man gewissenhaft im Auge behalten muss. Anfangs vergisst man das gerne mal und baut nicht ganz regelkonform.

Viel bedeutsamer sind die Farben der Räume. Wenn die Farbe eines Raums noch nicht im Baum vertreten ist, darf man den Raum einfach auf den Baum setzen, soweit das Gleichgewicht gewahrt bleibt. Gibt es hingegen bereits einen Raum der gleichen Farbe, darf der neue Raum nur angrenzend zu diesem (oder den) bestehenden Raum/Räumen platziert werden. Ist der alte Raum durch Räume anderer Farben umringt und kein angrenzender Platz mehr frei, ist diese Farbe verboten und die Karte muss abgeworfen werden. Das kann besonders in den ersten Runden knifflig werden, weil die Bäume nicht beliebig zu den Seiten erweitert werden dürfen (siehe Bilder). Wer sich früh Farben verbaut, schmälert somit seine Möglichkeiten, anständig zu punkten.

Bunte Punkte

Am Ende einer Runde, kommt es zu einer Wertung. Hier kommen bis zu vier Bonuskarten ins Spiel, aus denen sich jeder Spieler eine aussucht und diese mit je einer Raumfarbe verknüpft. Zwei davon verdoppeln die Punktzahl der gewählten Farbe, die anderen beiden blockieren das Punkten für die gewählten Farben komplett. Ist eine Farbe mit einer Bonuskarte verknüpft, darf in dieser Wertung keine andere Bonuskarte damit verknüpft werden. In der Variante für zwei Spieler werden nur die Blockierkarten verwendet.

Grün geht leer aus, Rot und Braun punkten doppelt

In der Wertung bekommen die Spieler für jeden Raum normalerweise einen Punkt, unabhängig von der Farbe. Die Bonuskarten modifizieren dies wie zuvor beschrieben für alle Spieler gleichermaßen. Des einen Leid wird so zu des anderen Freud‘. Gelingt es einem Spieler, einen Baum z.B. mit vielen blauen Räumen auszustatten und eine Doppel-Bonuskarte mit der Farbe blau zu verknüpfen, bekommt er eine ganze Menge Punkte. Falls ihm jedoch ein Spieler zuvorgekommen ist und diese Farbe durch eine Blockierkarte in der Wertung wertlos ist, entgehen dem Spieler viele Punkte.

Wer sich auf zwei oder drei Farben konzentriert hat also fast immer die Möglichkeit ordentlich zu punkten (neben den anderen Farben, natürlich). Wenn jedoch einfach die benötigte Farbe während des Draftens nicht in der Hand landet, gerät man in das oben beschriebene Dilemma der verbauten Farben.

Pierre meint

Das Allerbeste Baumhaus („DAB“) ist mit seiner poppigen Optik und den individuell illustrierten Räumen eine richtige Augenweide. Die einfachen Regeln täuschen geschickt über die taktischen Möglichkeiten hinweg, die sich hier verbergen, überfordern aber auch jüngere Mitspieler nicht (zumal man ihnen auch einfach als Hausregel gestatten kann, Räume an beliebigen Farben anzulegen).

Leider ist DAB auch schneller vorbei, als einem lieb ist, insbesondere weil das Drafting-System für diverse abgeworfene Räume oder zwangsläufig verbaute Farben sorgt, und man kann wenig dagegen tun. Das führt hin und wieder zu genervtem Schnauben, weil jeder verlorene Raum entgangene Punkte bedeutet. Manchmal ist der Zufallsfaktor einfach einen Hauch zu präsent.

In der Zwei-Spieler-Variante macht DAB überhaupt keinen Spaß. Hier läuft es einfach darauf hinaus, zwei gleichwertig dominante Farben aufzubauen und dem Gegenspieler eine davon zu blocken. Die taktischen Überlegungen, die bei drei oder vier Spielern gegeben sind, fehlen hier fast völlig.

Nicht anstupsen, sonst purzeln die Zähler herunter

Die gebogenen Karten erschweren das Zählen der Punkte ein wenig, weil die zylindrischen Marker nicht so recht stabil stehen. Gleiche Punktstände anzuzeigen wird dadurch umso schrieriger. Auch die Farben der roten und orangenen Marker sind unglücklich gewählt. Ersteres mag einem Montagsexemplar geschuldet sein, letzteres ist jedoch einfach unnötig. In Summe nervt beides ziemlich.

Ob bei der viel zu groß dimensionierten Dose mit dem Erscheinen von Erweiterungen spekuliert wurde, die man hier ingetrieren könnte, sei mal dahingestellt. Im Ist-Zustand verschwendet sie jedenfalls jede Menge Platz.

Letztlich bleibt zu sagen, dass man DAB mögen kann, es aber auch kein Highlight der Spielelandschaft ist. Im Familienrahmen macht es durchaus für eine oder auch zwei Runden Spaß, danach ist aber auch schnell die Luft raus. Es ist einfach zu schnell vorüber, als dass man eine befriedigende „Beziehung“ zu seinem Baumhaus aufbauen und sich an seiner eigenen Leistung/Konstruktion erfreuen könnte.

Auf einen Blick

SpieldesignScott Almes
IllustrationenAdam P. McIver
Erschienen bei2Geeks, 999 Games, Green Couch Games, IGAMES, Kanga Games, Nasza Księgarnia
Erscheinungsjahr2015
Spieleranzahl24
Spieldauerca. 20 Minuten
Empfohlenes Alterab 8 Jahren
MechanismenKarten ziehen, Pattern Building, Simultane Aktionsplanung, Legen
Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.
Pierre

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Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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