Vorgestellt – Grog Island

Irgendwie fühlte ich mich gleich an das Computerspiel Monkey Island erinnert, als ich das erste Mal die Box von Grog Island sah und dann der Titel, Grog Island! Das klang gut, aber Piraten, die in den Ruhestand gehen, gibt es denn sowas überhaupt? Eigentlich müssten sie doch in einer Bar sitzen, dort ihr Gold für Grog verprassen und ihren Lebensabend genießen. Doch scheinbar investieren sie ihre Beute lieber in solide Geschäfte und lassen diese von ihren alten Crewmitgliedern betreiben.

Machen wir uns also auf zu den fünf Halbinseln von Grog Island.

Grog Island wurde uns freundlicherweise von Pegasus Spiele kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Wertung des Spiels.

Piraten im Ruhestand!?

In Grog Island versuchen zwei bis vier Spieler, möglichst viele und lukrative Immobilien auf der Inselgruppe Grog Island zu erwerben. Darunter (be)finden sich zum Beispiel Schwert-Shops, Anker-Shops, Wahrsager-Shops und eine Bar namens „Grog Hole“ (Versaufen sie also doch ihr Gold?). Getrieben wird das Ganze von einem sehr interessanten Würfelauktionsmechanismus, der das Herz des Spiels darstellt. Über diesen wird entschieden, ob man sich auf den Inseln niederlassen darf, oder aber Waren erhält und mit einem der in den Häfen liegenden Schiffe Handel treiben und entsprechend ihre Eigenschaften nutzen kann. Geheim gehaltene Zielkarten stellen die Haupteinnahmequelle für die zum Sieg benötigten Piratenpunkte dar.

Spielaufbau

Die Crew steht bereit

Das Spiel wird, bis auf die Platzierung der Schiffs- und Wolkenplättchen immer gleich aufgebaut. Wolkenplättchen bleiben dabei jedoch an derselben Stelle liegen, während die Handelsschiffe sich im Laufe des Spiels immer weiter bewegen.

Jeder Spieler erhält das gleiche Spielmaterial und darf sich danach noch eine Ware seiner Wahl aussuchen, sowie vier geheime Ziele, von denen es pro Ziel jeweils zwei Karten gibt und es so leicht passieren kann, dass zwei Spieler das selbe Ziel verfolgen.

Ohne Gold kein Grog heißt es natürlich auch bei Grog Island und so gibt es eine Münzleiste, die den öffentlichen Goldmünzenvorrat der Spieler darstellt. Dazu kommen dann noch die geheim gehaltenen Truhenkarten, die auch zur Bezahlung verwendet werden können, aber bei denen die anderen nur wissen, dass sie einen Wert von ein bis drei Goldstücke haben.

Die Wolken über der Inselgruppe

Die restlichen Waren und Karten, sowie die Würfel und Schlösser werden entsprechend den Vorgaben auf bzw. am Spielfeld platziert.

Wer anfängt? Natürlich derjenige, der das grimmigste Piratengesicht machen kann. Was dachtet ihr denn? Dieser erhält dafür dann auch die Piratenflagge.

Arrr!

Es darf geboten werden

Grog Island hat einen festen Rundenablauf, der immer damit beginnt, dass der aktuelle Startspieler die Würfel wirft und dann sein Startgebot abgibt. Würfel, die man für das Gebot einsetzen möchte, werden dabei auf die Auktionsfelder gelegt, während nicht genutze Würfel auf die farblich passenden Felder, darunter, gelegt werden. Hierbei muss beachtet werden, dass die Würfelwerte von links nach rechts kleiner oder gleich dem vorherigen Wert sein müssen und, dass man nie mehr Augen bieten darf, als man Gold zur Verfügung hat, da man bei Gewinn der Auktion den Gesamtwert der Würfel in Gold bezahlen muss. Danach folgt der nächste Spieler, der entweder das Gebot erhöhen muss, indem er weitere Würfel dazu nimmt oder beliebig tauscht (der Gesamtwert muss jedoch höher sein, als der Wert des vorherigen Spielers), oder einfach passt und somit aus dem Bieten aussteigt.

Gebot halten und Würfelwerte ändern

Durch die Papageikarten haben die Spieler allerdings auch die Möglichkeit das aktuelle Gebot zu erhalten oder einen Würfel ihrer Wahl auf eine beliebige Seite zu drehen und so die anderen Spieler zu ärgern.

Ausgestiegene Spieler erhalten die Ressourcen auf denen keine Würfel liegen und können zudem eines der Handelsschiffe verwenden. Wenn sie entsprechend viele Ressourcen haben, können sie außerdem zumindest ein Haus in Besitz nehmen, indem sie vier gleiche Ressourcen bezahlen – die Art der Ressource ist abhängig von dem Handelsschiff, dass sie verwenden.

Der letzte verbliebende Spieler gewinnt die Auktion und darf entsprechend der Anzahl der Würfel und ihren Farben ein oder zwei Häuser auf den farblich passenden Halbinseln in Besitz nehmen, enthält Piratenpunkte und kann Häuser für alle Spieler sperren. Natürlich erst nachdem er sein Gebot in barer Münze beglichen hat. Außerdem erhält er den oder die Boni der Wolkenplättchen.

Ich werde Großgrundbesitzer

Das Spiel endet, sobald ein Spieler alle seine Crewmarker auf Gebäude verteilt hat. Es findet die Endwertung statt, bei der vor allem durch die geheimen Ziele viele Piratenpunkte erhalten werden können. Der Spieler mit den meisten Punkten ist der Sieger.

 

Peer meint:

Auch wenn das Spielmaterial durchweg von guter Qualität und das Artwork sehr gelungen ist, so will doch keine richtige Stimmung aufkommen, denn mit Piraten hat dieses Spiel leider überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, das Szenario wirkt aufgesetzt und der Auktionsmechanismus, so gut und interessant er auch ist, reisst das ganze Spiel an sich. Steigt ein Spieler früh aus, weil er dank der letzen Auktionsrunde kein Gold mehr hat, oder lieber Ressourcen nehmen möchte, so kann es schonmal passieren, dass er etwas länger auf die anderen Spieler warten muss. Zudem hat man das Gefühl, dass alles was nach dem Auktionsmechanismus kommt sowieso Nebensache ist und dies trägt nicht gerade zum Spielgefühl bei.

Im Großen und Ganzen ist Grog Island eher ein durchschnittliches Familienspiel, als etwas für Vielspieler. Diese werden mit diesem Spiel auf Dauer keine Freude haben, da es immer nach dem gleichen Schema abläuft und keinerlei Abwechslung bietet. Ein anderes Thema hätte dem Spiel weitaus besser zu Gesicht gestanden und vielleicht auch dazu beitragen, dass alles außerhalb des Auktionsmechanismus vielleicht mehr Stimmung verbreitet hätte. Für mich geht die Suche nach einem passenden Piratenspiel weiter.

 

Auf einen Blick

SpieldesignMichael Rieneck
IllustrationenKlemens Franz
Erschienen beiArclight, eggertspiele, Pegasus Spiele
Erscheinungsjahr2014
Spieleranzahl24
Spieldauer4075 Minuten
Empfohlenes Alterab 10 Jahren
MechanismenAuktion/Bieten, Würfeln, Sets sammeln, Handeln
Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.

 

Peer

Blogger, Lektor & Übersetzer. Leidenschaftlicher Spieler von Gesellschaftsspielen. Gründer von erklaerpeer.de.
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