Vorgestellt – Mein Schatz

Wer beim Lesen des Titels dieser Vorstellung spontan an Gollum dachte, den muss ich leider enttäuschen. Zwar geht es bei Mein Schatz auch um dunkle Höhlen, Schätze, Orks und Zwerge, aber ebenso kleine wie garstige ehemalige Auenlandbewohner sind nicht mit von der Partie.

Im Kartenspiel Mein Schatz liefern sich die Spieler ein Kopf an Kopf-Rennen um die meisten Schätze, müssen sich aber stets vor dem Ork hüten, der die Höhle, die sie plündern, bewacht. Wer zu gierig ist geht meistens leer aus. Wer zu früh stiften geht aber auch.

Mein Schatz wurde uns freundlicherweise von Igel Spiele kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Wertung des Spiels.

Überblick

Die Spielkomponenten

Mein Schatz kommt in einer kompakten Schachtel daher, die drei Dutzend Karten, einige Marker und Münzen sowie ein Regelfaltblatt beinhaltet. Diese Münzen sind keine ordinären Pappmarker, sondern farbige Holzscheiben, was mir haptisch sehr gut gefällt, und beim Überblick über die Punktestände der Spieler eine große Hilfe ist. Alles ist in einem nicht ganz ernst zu nehmenden Comic-Stil gehalten, der wunderbar zum Spielkonzept passt. Über den kreischenden Zwerg kann ich mich immer wieder amüsieren! Die Karten weisen auch nach knapp einem Dutzend Runden keine Abnutzungserscheinungen auf – sehr schön.

Ziel des Spiels ist, durch Auslegen von Schatzkarten und rechtzeitigem Aussteigen mit einem der Schatzstapel die meisten gleichen Schatzsymbole mitzunehmen und so als erster 8 Münzen (Siegpunkte) abzuräumen.

Die Reise ins Dunkel

Zu Beginn des Spiels liegen die 36 Karten wohlgemischt und für alle Spieler erreichbar auf einem Nachziehstapel. 6 dieser Karten zeigen einen Ork, die übrigen enthalten die begehrten Schätze in verschiedenen Kombinationen und Mengen. Das können unter anderem Ringe, Juwelen und Schwerter sein. Außerdem gibt es zu jedem Schatzsymbol einen passenden Marker.

Noch eine Ork-Karte und die verbliebenen Zwerge fliegen im hohen Bogen aus der Höhle.

Reihum ziehen die Spieler (die gierigen Zwerge) nun nacheinander eine Karte und legen sie – wenn sie eine Schatzkarte aufgedeckt haben – auf einen von bis zu vier offenen Stapeln, um so möglichst viele gleiche Schatzsymbole auf einem Stapel zu anzuhäufen. Wenn ein Spieler denkt, es liegen genügend gleiche Schätze auf einem Stapel, kann er (anstatt eine Karte zu ziehen) sich den Marker für den von ihm präferierten Schatz und den Stapel nehmen. Er verlässt also die Höhle und scheidet damit für den Rest der Runde aus. Die übrigen Spieler ziehen weiter Karten, bis gegebenenfalls alle auf diese Weise ausgestiegen sind.

Wurde nicht etwa eine Schatzkarte sondern ein Ork gezogen, nähert sich dieser gewissermaßen den Spielern, um sie zu verscheuchen. Diese Karten werden neben die vier Stapel gelegt. Sobald die sechste Ork-Karte aufgedeckt wurde, ist der Ork da und wirft die verbliebenen Gierschlünde aus der Höhle. Doch auch diese Spieler gehen nicht ganz leer aus. Sie dürfen sich nur nicht mehr einen bestimmten Schatzmarker aussuchen, sondern müssen unbesehen einen zufälligen Marker und einen beliebigen der übrigen Schatzstapel nehmen (ohne das Symbol auf dem Schatzmarker zu kennen). Und dann hoffen, dass das gezogene Symbol zufälligerweise oft genug in dem Schatzstapel vorkommt.

Alles meins! Muahahaha

9 Ringe (2 davon durch die Mäuse, die als Joker fungieren). Keine schlechte (Aus)Beute

Wenn alle Spieler mit einem Schatzstapel versorgt sind endet die Runde und es wird ausgezählt, wer am häufigsten das Schatzsymbol seines Markers im eigenen Schatzstapel wiederfindet. Dabei zählen die eventuell abgebildeten Mäuse als Joker und haben für ihren Zwerg nochmal jeweils einen Extra-Schatz aus der Höhle stibitzt. Kluge Tierchen.

Wer nun die meisten zum eigenen Schatzmarker passenden Schätze erbeutet hat, erhält 3 Münzen, die übrigen bekommen – je nach dem wie viele Schätze sie im Vergleich zum erfolgreichsten Höhlenräuber gesammelt haben – auch noch ein paar Münzen oder gehen leer aus. Sobald ein Spieler 8 oder mehr dieser Münzen eingesackt hat, gewinnt er das Spiel.

„Den wollt‘ ich haben“

Das wars auch schon. Mein Schatz ist schnell erklärt, schnell verinnerlicht und ebenso schnell ist die erste Partie auch schon wieder vorbei. Mein Schatz ist im Prinzip „Push your luck“- und Zählspiel in einem, ohne für rauchende Köpfe zu sorgen. Die Spieler müssen sich überlegen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die sechste Ork-Karte aufgedeckt werden könnte, und wann vielleicht ein anderer Spieler den Schwanz einzieht und den Schatzstapel an sich nimmt, den man selbst im Auge hat. Wer zu früh aussteigt hat während der Wertung vielleicht nicht genug gleiche Symbole erbeutet, um die anderen Spieler auszustechen. Wer nicht rechtzeitig aussteigt und vom Ork rausgeschmissen wird riskiert aber das gleiche Schicksal, da er sich nicht mehr gezielt das gewünschte Schatzsymbol aussuchen kann.

Es gilt, die Nerven zu bewahren und seine Mitspieler zu beobachten. Wer ungefähr einschätzen kann, wer mit welchem Stapel liebäugelt und auszusteigen droht, kann sich einen Vorteil verschaffen und ihm im letzten Moment zuvorkommen. Wer weiß, vielleicht hat dieser Spieler ja die anderen Stapel nicht aufmerksam verfolgt und gerät dadurch aus dem Konzept.
Man kann auch versuchen, die Mitspieler gezielt zu verwirren, indem man die Schatzstapel vermeintlich zufällig mit verschiedenen Symbolen eindeckt, um den anderen Gierschlünden das Zählen der Symbole auf den Stapeln zu erschweren. Letztlich spielt aber natürlich auch der Zufall eine gelegentlich (!) sogar spielentscheidende Rolle, was dem Spiel die richtige Würze verleiht.

 

Pierre meint:

Cat for Scale

„Hah, ein Ring, und noch ein Juwel. Ab auf den Stapel damit. Eine Karte geht noch, da wird schon keiner zugreifen. Und noch eine? Aach, da liegen erst vier von sechs Ork-Karten, da geht noch was. Jetzt sind es schon fünf! Und weg ist der Juwelenstapel. NEIN!
Ok, ich bin der letzte Spieler, jetzt gehe ich aufs Ganze und haue Karten raus. Der Ork wird schon nicht kommen. Noch eine, noch eine. Lieber aussteigen? Der Ork kommt bestimmt gleich. Egal, weiter.“

So oder so ähnlich sieht das Gedankenspiel der um den Tisch (bzw. in der Höhle) versammelten Zwergenspieler in jeder Runde aus. Ich freue mich immer diebisch, wenn ich einem anderen Spieler zuvor komme und ihm den erhofften Schatzstapel vor der Nase wegschnappe – und beschimpfe andere Spieler, wenn sie das gleiche später bei dem von mir präferierten Stapel tun. Und ganz besonders  die Glückspilze, die vom Ork aus der Höhle geworfen werden, und trotzdem zufälligerweise den Jackpot knacken.

Das schöne an Mein Schatz ist, dass nicht allein der Zufall oder ein bestimmter Mechanismus entscheidet, wann die Spieler raus müssen und die Runde endet. Ich selbst entscheide, wann für mich Schluss ist. Ich muss nur aufpassen, nicht zu gierig zu werden, sonst bestrafen mich der Ork oder meine Mit-Zwerge. Aber den anderen geht es ja nicht anders, und so versucht jeder, so lange wie möglich noch einen und noch einen Schatz draufzulegen. Je kleiner der Nachziehstapel wird, desto spannender wird es für alle. Auch jene, die schon ausgestiegen sind. Denn die beim Ausstieg groß anmutende Anzahl eigener Schätze schrumpft im Vergleich zu den übrigen Stapeln, die nun Runde für Runde wachsen und wertvoller werden. Nägelkauen pur.

Und doch kein Spiel ohne Aber: Wie erwähnt ist Mein Schatz auch ein Zählspiel. Wer sich damit schwer tut, hat natürlich schlechtere Chancen auf den Sieg, aber selbst dann kann einem Gevatter Zufall einen Schubs in die richtige Richtung geben – und das ist uns auch zum großen Amüsement aller Teilnehmer oft genug passiert.

Ich denke, man sollte es nicht mit weniger als 3 Spielern spielen. Zu zweit ist es für mich nicht ganz so reizvoll wie zu dritt oder zu viert, weil die Konkurrenz um die Schätze und das Risiko, dass ein besonders wertvoller Stapel geklaut wird, geringer war, da man ja bis zu vier Stapel aufbauen kann.

Trotzdem: Mein Schatz ist für mich ein Volltreffer; ein schönes Kleinod, das in jede Lücke eines Spieleabends passt und auch zwischendurch mal hervorgeholt werden kann.

 

Auf einen Blick

SpieldesignOliver Igelhaut
IllustrationenRudolf Eizenhöfer
Erschienen beiGaGa Games, Igel Spiele
Erscheinungsjahr2015
Spieleranzahl24
Spieldauerca. 20 Minuten
Empfohlenes Alterab 7 Jahren
MechanismenMerken, Push Your Luck
Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.

Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
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