Vorgestellt – The Game: Face To Face

Kurz vor der SPIEL 2016 haben die Autoren Steffen Benndorf und Reinhard Staupe und der Nürnberger Spielkarten Verlag mit „The Game: Extreme“ eine verschäfte Version des Überraschungserfolgs „The Game“ veröffentlicht. Zur SPIEL 2017 folgte nun mit „The Game: Face to Face“ (nachfolgend nur noch „Face to Face“ genannt) eine Variante für zwei Personen, in der die Spieler nicht mehr zusammen gegen das Spiel antreten, sondern im Duell gegeneinander. Die Kommunikation, die in den Vorgängern noch so wichtig war, entfällt ganz. Stattdessen wetteifern die Spieler nun darum wer als Erster alle seine Karten loswird.

Überblick

Wie seine Vorgänger kommt auch „Face to Face“ in der kompakten Spielschachtel daher, enthält dieses Mal jedoch 120 Karten, statt 102. Auch die Spielregel ist wieder in Form eines Faltblattes enthalten und bringt dieses Mal eine Kurzregel mit, die vollkommen ausreicht, sofern man einen der Vorgänger kennt. Für Neulinge gibt es weiterhin eine ausführlichere Regelerklärung. Beide sind jeweils mit Beispielen unterlegt und verständlich geschrieben. Am Material des Spiels ist nichts auszusetzen.

Auch in „Face to Face“ geht es darum seine Karten komplett loszuwerden, doch nun besitzt jeder Spieler seinen eigenen Stapel (entweder silber oder gold) mit insgesamt 60 Karten. Jeweils 2 dieser Karten sind die bekannten Reihenkarten (1-59 & 60-2), die die Spieler vor sich auslegen und neben denen sie ihre Karten ausspielen.

Face to Face

Grundsätzlich gelten die bekannten Regeln: Man muss jede Runde mindestens zwei Karten ablegen, muss bei einem der Stapel Karten aufsteigend und bei dem anderen Stapel absteigend legen und darf den Rückwärts-Trick (man springt je nach Stapel einen Zehnerschritt vor oder zurück) anwenden. Neu ist, dass man nun auch beim Gegner pro Zug genau eine Karte ablegen darf. Hier gibt es nur die Bedingung, dass die gelegte Karte den Kartenstapel des Gegners verbessern muss. Im Klartext heißt dies, dass, wenn ich die Karte auf den aufsteigenden Stapel lege, diese niedriger sein muss als die Karte, die dort schon liegt und beim absteigenden Stapel muss sie höher sein. Dadurch helfe ich zwar meinem Gegner, darf anschließend aber auch wieder auf sechs Handkarten aufziehen. Lege ich stattdessen nur Karten bei mir ab, darf ich anschließend nur zwei Karten nachziehen, egal wie viele Karten ich in meinem Zug gespielt habe. Sollte ein Spieler irgendwann einmal nicht in der Lage sein mindestens zwei Karten ausspielen zu können, hat er verloren.

Peer meint

„The Game“ funktioniert problemlos auch in der Variante für zwei Spieler, entfernt jedoch einen vorher noch sehr wichtigen und interessanten Aspekt des Spiels, die Kommunikation, und macht das Spiel dadurch zu einem reinen Wettbewerb im Karten ablegen, könnte man zumindest meinen. Doch zum Glück haben die beiden Autoren den Kniff eingebaut, dass man im eigenen Zug eine Karte beim Gegner ablegen darf (ohne diesen wäre das Spiel höchstwahrscheinlich frustbedingt wieder im Regal verschwunden). Recht schnell merkt man dann auch, dass dies nicht nur ein darf, sondern unbedingt notwendig ist. Einerseits möchte man möglichst viele Karten loswerden, darf jedoch nur mehr als zwei Karten nachziehen, wenn man eine Karte beim Gegner ablegt und andererseits möchte man es vermeiden keine zu großen Ausreißer in seinen Stapeln legen zu müssen, also legt man die Karte einfach beim Gegner ab. Oder lege ich die Karte doch bei mir ab, um meinem Gegner keinen zu großen Vorteil zu verschaffen und nehme dafür einen Ausreißer in Kauf? Es kommt also nicht nur auf das reine Legen der Karten an, sondern auch auf das Wie und Wann. Natürlich gehört auch zu dieser Variante wieder ordentlich Glück, doch das tut dem Spielspaß keinen Abbruch. Gerade wenn man dem Gegner durch das Legen einer Karte nicht geholfen, sondern seinen Rückwärts-Trick oder seine Strategie versaut hat, macht es umso mehr Spaß. 

Ja, „Face to Face“ macht Spaß, eine Herausforderung wie sein Vorgänger ist es jedoch nicht. Bei unseren Testspielen hielt sich das Gewinnen durch das Ablegen aller Karten und das Gewinnen durch die Unfähigkeit des Gegners zwei Karten auszuspielen ungefähr die Waage. Wem von vorneherein die kooperative Komponente von „The Game“ und „The Game: Extreme“ nicht zugesagt hat, sollte ruhig mal einen Blick auf diese Duell-Variante werfen. Wer lieber kooperativ spielt und eine Herausforderung sucht, der bleibt einfach bei „The Game: Extreme“ (welches zusätzlich auch in der normalen Variante gespielt werden kann).

 

Pierre meint

Grundsätzlich macht The Game: Face to Face nicht viel anders als seine Vorgänger. Doch funktioniert diese Iteration konzeptionell logischerweise besser zu zweit, als die Vorgänger, was insofern einen guten Zuwachs für jene darstellt, die auch Spiele für zwei Spieler suchen.

Die taktischen Möglichkeiten gefallen mir gut. Oft musste ich abwägen, ob ich eine Karte auf meinem Stapel loswerden möchte und einen höheren Sprung in Kauf nehme, oder einen Stapel beim Gegner um einen oder zwei, oder auch mehr Zähler zurückdrehe. Trotz dieser Überlegungen geht Face to Face schnell von der Hand und ist aus meiner Sicht ein würdiger und unterhaltsamer Vertreter seiner Familie, der eigenständig genug ist, um neben letzteren im Regal einzuziehen.

 

Auf einen Blick

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Peer

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Blogger, Lektor & Übersetzer. Leidenschaftlicher Spieler von Gesellschaftsspielen. Gründer von erklaerpeer.de.
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