Vorgestellt – The Game

„Ich möchte ein Spiel mit dir spielen“ fiel mir als erstes ein, als ich Name und Box-Art des Kartenspiels The Game aus dem Nürnberger Spielkarten-Verlag erblickte.
„Spiel – solange du kannst!“ verkündet die Spieleschachtel hingegen verschwörerisch – und irgendwie passt’s.

Das Spiel wurde uns freundlicherweise vom Nürnberger Spielkarten-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Wertung des Spiels.

Überblick

The Game (welches übrigens als Kandidat für das Spiel des Jahres nominiert ist) kommt in einer kompakten Schachtel mit etwa 100 Karten und einem Faltblatt mit den gut erklärten Regeln daher; alles ist in einer rot/orange/schwarzen (gleichwohl dezenten) Horror-Optik gehalten. Das Spielkonzept an sich ist völlig abstrakt und würde mit einem generischen flachen Artwork genauso gut funktionieren – trotzdem finde ich es sehr ansprechend. Die Karten sind für meinen Geschmack einen Hauch zu dünn, haben dafür aber ein robustes Finish verpasst bekommen, welches einen langlebigen Eindruck hinterlässt. Bemerkenswerterweise wird es in der Schweiz mit einem entschärften Artwork veröffentlicht.

Gespielt wird kooperativ und reihum mit 1 – 5 Spielern. Auf dem Tisch liegen 4 Startkarten aus – jeweils zwei mit den Zahlen 1 und 100. Die Spieler halten eine von der Spielerzahl abhängige Anzahl Karten (6 – 8) in der Hand, welche mit  Zahlen von 2 bis 99 bedruckt sind und vor dem Austeilen gründlich gemischt werden. Wer am Zug ist, muss mindestens 2 Karten ausspielen (kann sogar auf Wunsch seine ganze Hand ausspielen, wenn es gut passt) bis der Nachziehstapel aufgebraucht ist; dann genügt auch eine.
An die 1er-Karten müssen die Spieler aufsteigend Zahlenkarten (in fast beliebiger Höhe) stapeln, an den 100ern entsprechend absteigend. Ziel ist, alle Karten (also die Zahlen 2 – 99) auf den 4 Stapeln abzulegen, bevor keine Karte mehr regelkonform abgelegt werden kann.

Ich hab ’nen Kurzen

Da die Spieler selten Straßen, also Zahlenreihen, auf der Hand haben, müssen sie sich gut absprechen, wer welche Karten am besten auf welchem Stapel ablegt, um eine möglichst effiziente und lückenarme Reihenfolge zu bilden. Je nach Spielsituation kann eine 73 auf der Hand genauso hilfreich auf einem aufsteigenden Stapel sein, wie auf einem der absteigenden.

Das Problem: die Spieler dürfen sich nicht sagen was sie auf der Hand haben – jedenfalls nicht in konkreter Form, wie z.B. “ Ich hätte hier eine 26″. Stattdessen müssen sie Andeutungen machen, das Ablegen von Karten auf einem bestimmten Stapel vehement verbieten, weil man „Was passendes auf der Hand hat“, oder „Den Stapel retten kann“. So entstehen allerlei neue Maßeinheiten wie die Kurzen, zwei knappe Hände voll oder eine Zahl die genauso aussieht wie die da auf dem Stapel, nur andersrum (was dann wohl schon grenzwertig wäre). Das sorgt für so manchen Lacher und trägt zu einem angenehmen Spielgefühl bei – zumal die Spieler oft erst einmal einen Kurzen unterschiedlich auslegen – je nach individueller Trinkgewohnheit.

Ich rette mal den Stapel

Eine Zahlen-Polonaise im The Game-Stil – die 83 auf der 73 bringt den Spielern etwas Ruhe zurück

Wenn man eine Karte auf der Hand hat, die genau eine Zehnerstelle höher oder niedriger ausfällt als eine, die auf den Stapeln liegt, kann man möglicherweise einen Stapel um diese Zehnerstelle „zurückdrehen“.
Beispiel: Auf einem absteigenden Stapel liegt eine 73 und ich halte eine 83 in der Hand. Alle anderen Karten >73 dürfte ich dort nicht anlegen, da ja absteigend gelegt werden muss. Da die 83 jedoch genau um eine Zehnerstelle höher ist, darf ich sie anlegen und so dem Stapel etwas Entspannung verschaffen. Dementsprechend kann man den aufsteigenden Stapel mit einer um 10 niedrigeren Zahl zurückdrehen (also auf eine 83 dann eine 73 legen).

Da diese Konstellation keineswegs an der Tagesordnung ist, sondern allenfalls ein paar Mal pro Partie auftritt, ist diese Regel sehr wertvoll und sorgt – wenn man sie anwenden kann – für manches „Jawoll!“ und erleichtertes Ausatmen.
Manchmal muss aber auch ein anderer Spieler diese Chance verbauen, weil er sonst nirgends eine andere Karte legen kann, um seine Pflichtkarte(n) abgelegt zu haben. Je weiter der Spieler, der die Rettung legen kann, von dem aktiven Spieler entfernt ist, um so spannender wird es, ob er sie auch tatsächlich wird legen können.

Neeein!

Die 45 und 42 wollten nirgends mehr passen

Überhaupt ist The Game ein sehr kommunikatives Spiel. Jenseits der Andeutungen über die Karten wird oft gelacht, geflucht und „Die hätte ich eben gebraucht!“ gejammert. Mit steigender Übung wissen die Spieler aber auch bald relativ genau, was mit welchen Andeutungen gemeint ist. Man hat das Konzept durchschaut, kommuniziert routiniert über die gehaltenen Karten und zieht sein Ding durch – bis es nicht mehr geht.
Aber selbst die größte Routine hilft nicht, wenn die Kartenhand nicht mitspielt. The Game ist nun mal ein Kartenspiel, das vor Spielbeginn gründlich gemischt wird (oder werden sollte) – dass damit ein nicht zu unterschätzender Glücksfaktor einher geht, sollte man sich vorher klar machen. Wenn man sich aber nicht völlig beknackt anstellt, sind 10 Restkarten (oder weniger), die im Regelheft als eine gute Runde bezeichnet werden, durchaus machbar.

 

Pierre meint:

The Game ist ein kurzweiliges und mitunter recht spannendes Spiel. Die Regeln sind den Mitspielern in weniger als 5 Minuten nahegebracht und verinnerlicht, es braucht wenig Platz auf dem Tisch und ist damit auch für die Reise bestens geeignet. Die skurrilen Maßeinheiten, die man sich ad hoc ausdenkt und die unanständig unwahrscheinlichen Kartenhände – an denen pauschal der Kartenmischer schuld ist, egal wie sehr er sich bemüht hat – verleihen dem Spiel eine Menge Flair. Weniger schön wird es, wenn man eine Hand voll Karten hat, die auf allen Stapeln weit mehr als nur „zwei knappe Hände voll“ auf- oder abwärts gehen – aber das liegt in der Natur der Sache und trägt zur Spannung bei, die sich gegen Ende einer Partie langsam erhebt.
Da man als Spieler relativ wenig Einfluss auf seine Kartenhand hat, sind die taktischen Möglichkeiten eher begrenzt – daher würde ich The Game als Lückenfüller oder als Spiel für Zwischendurch sehen – in dieser Rolle glänzt es. Nach ein paar Runden hat man nämlich auch genug; dann sollte man es für ein paar Spieleabende beiseite legen und später nochmal versuchen, es zu besiegen.

Besiegt haben wir The Game übrigens bisher nicht, unser Rekord waren 2 Karten, die nicht mehr ausgelegt werden konnten. Aber das kann ja noch werden…

 

Markus sagt:

The Game ist ein schönes einfaches und kurzweiliges Spiel, das eher für Runden ab drei Spielern gedacht ist. Es funktioniert auch zu zweit. Das erhöht aber gefühlt den Schwierigkeitsgrad, denn bei mehr Spielern sind bereits mehr Karten auf die Hände verteilt und es macht das taktieren etwas einfacher.
Das Spiel steht und fällt jedoch damit, dass sich alle Mitspieler an die Kommunikationsregel halten – nämlich, dass keine konkreten Zahlenwerte genannt werden dürfen.
Sollte man Bedenken haben, dass das doch recht abstrakte Horrormotiv zu gruselig für seine Kinder sein könnte, der kann auf die entschärfte Schweizer Version zurückgreifen – sofern man eine bezahlbare Bezugsquelle findet.

 

 

Auf einen Blick

Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.

Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
Pierre

Über Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.