Vorgestellt – Von Drachen und Schafen

Drachen, Schätze, Höhlen, Prinzen, Zauberer und Ritter. Also alles, was ein zünftiges Fantasy-Kartenspiel braucht. Und Schafe. Jawohl! Von Drachen und Schafen – ein Spiel, in dem Schafe zur Währung und Prinzen zu Schätzen werden. Wer die wertvollsten Schätze anhäuft gewinnt.

Von Drachen und Schafen wurde uns freundlicherweise vom Kosmos Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Wertung des Spiels.

Überblick

Die Spielkomponenten

Das Spiel besteht aus 101 Spielkarten, darunter fünf Übersichtskarten, eine Startspielerkarte sowie eine Spielanleitung. Die Illustrationen sind sehr gelungen, die Schätze, Schafe und sonstigen Charaktere sind abwechslungsreich und märchenhaft dargestellt, ohne kitschig zu sein. Die Karten weisen nach einigen Runden schon deutliche Abnutzungserscheinungen auf. Hier würde ich Sleeves empfehlen, Platz dürfte in der gut halb gefüllten Box genug sein.

Schätze anhäufen dürfte neben dem Schlafen auf selbigen und dem entführen jungfräulicher Prinzessinen wohl die liebste Beschäftigung eines Drachen sein. Und wie kommt man an Schätze? Indem man niedliche, bunte Schafe sammelt und mit ihnen die Schätze „kauft“. Das Spiel endet sobald der erste Spieler acht Schätze ergattern konnte. Gewonnen hat der Spieler, dessen Schätze am Ende den höchsten Gesamtwert erzielen.

Mäh, ihr Schafe

Die Weide

In der Tischmitte liegt ein Nachziehstapel sowie eine sogenannte Weide, bestehend aus 3 nebeneinander liegenden Karten. Alles liegt mit der Rückseite (d.h. ausschließlich Schafe in einer von fünf Farben zeigenden) Seite nach oben. Die Vorderseite der Karten zeigt besagte Schätze, Höhlen und Aktionen (bzw. diese repräsentierende Charaktere). Was konkret an Aktionen, Schätzen und Höhlen ausliegt, ist also ungewiss, bis man die Karten auf die Hand nimmt. Was man jedoch weiß ist, dass die Farbe des Schafs stets mit der Vorderseite der Karte korrespondiert. So wird ein Schatz auf einer Karte mit einem gelben Schaf immer ein gelber Schatz sein, und niemals rot oder blau. Auf die Aktionen hat die Farbe aber keinen Einfluss.

Abhängig von der Spielerzahl zieht der aktive Spieler nun Karten vom Stapel oder der Weide, darf sich diese aber erst ansehen, wenn er die erforderliche Anzahl Karten genommen hat.

Anschließend darf der Spieler bis zu zwei Karten spielen: einen Schatz oder eine Höhle, sowie eine Aktionskarte. Ein Schatz bringt am Ende des Spiels Siegpunkte, eine Höhle per se erst einmal gar nichts. Kombiniert man jedoch gleichfarbige Schätze und Höhlen, gibt es bis zu 10 Bonuspunkte (z.B. bei 4 roten Schätzen auf einer roten Höhle). Da man aber nur eine Höhle pro Farbe auslegen darf, kann man nicht mit Gewalt immer nur Schafe einer bestimmten Farbe ziehen. Man muss auf Abwechslung achten.

Der Drache neutralisiert den Dieb

Spielt man eine Aktion aus, kann man damit z.B. Zusatzkarten nachziehen, anderen Spielern Karten stehlen oder sie zwingen, die Hälfte ihrer Karten abzuwerfen. Das müssen sich die anderen Spieler jedoch nicht kampflos gefallen lassen, wenn sie einen Drachen auf der Hand halten. Dieser wehrt den Effekt feindlicher Karten ab. Außer der „Angreifer“ spielt seine Aktion in Kombination mit einem Zauberer, was die Aktion für Drachen unblockbar macht. Dies ist nur ein Beispiel für ein paar der Aktionskarten mit denen man seine Mitspieler piesacken und sie um ihre Karten erleichtern kann.

Biete Schafe, suche Schätze

Diese Höhle bringt 6 Bonuspunkte für die ausliegenden Schätze

Und nun kommt das Dilemma: spielt man Aktionskarten um ihre Aktion auszuführen, können sie nicht mehr verwendet werden, um Schätze zu kaufen. Jeder Schatz kostet Schafe in verschiedenen Farben, und die erforderliche Anzahl Schafe steigt mit dem Wert des Schatzes. Die von der eigenen Kartenhand abzugebenden Schafe sind größtenteils von der gleichen Farbe wie der Schatz, die übrigen dürfen beliebig ausgewählt werden. Hat man genug „Bares“, um den Schatz bezahlen zu können, legt man selbigen vor sich (falls möglich auf einer farblich passenden Höhle) ab und die Schafe auf den allgemeinen Ablagestapel. Der Schatz ist nun sicher vor Übergriffen anderer Spieler. Die Aktionen, Schätze und Höhlen, die auf der Vorderseite der zur Bezahlung genutzten Karten abgebildet sind, verliert man jedoch ersatzlos. Man kann eben nicht beides haben.

Eine kleine Auswahl Aktionskarten

Die Gegenspieler können zudem leicht herleiten, an welcher Schatzfarbe man gerade tüftelt (oder tüfteln könnte), denn die Schafe und damit ihre Farbe sind für jeden sichtbar. Wohl dem, der einen Dieb mit einem Drachen abwehren kann, um seinen beinahe bezahlten Schatz zu schützen, denn sonst geht ganz schnell der gerade in Arbeit befindliche Schatz flöten.

Sobald ein Spieler nun acht Schatzkarten in seinem Spielbereich ausgelegt hat, endet das Spiel, wenn die Runde beim Spieler rechts vom Startspieler ankommt. Es wird der Wert der Schätze ausgezählt und gegebenenfalls Boni von Höhlen addiert. Sieger ist, wer die meisten Punkte angehäuft hat.

 

Pierre meint:

Cat for Scale

Die Optik ist der Knaller. Die Schafe sehen witzig aus, die Aktionskarten strotzen vor Details und die Schätze möchte man am liebsten aus der Karte herausholen. Die Optik ist für mich aber leider auch das einzige, was das Spiel trägt, bzw. bemerkenswert macht.

In der Theorie klingt die Wahlmöglichkeit, Gegenspieler mit Aktionen zu ärgern oder mit der Schafseite Schätze zu kaufen sehr interessant. In der Praxis fühlte es sich für mich aber oft an, als würde das Spiel eher mich spielen – und nicht andersherum. Welche Farben ich auf die Hand nehmen kann ist von der Auslage (bzw. dem Nachziehstapel) diktiert. Was ich dann konkret an Aktionen/Schätzen/Höhlen bekomme ist reiner Zufall.
Kann ich nur Farben ziehen, mit denen ich keinen Schatz auslegen kann, komme ich punktetechnisch nicht weiter. Befinden sich unter den gezogenen Karten keine hilfreichen Aktionen oder gar noch mehr unauslegbare Schätze, nützen sie mir unmittelbar auch nichts.  So verkommen für meinen Geschmack zu viele Züge zur Nullrunde. Die Möglichkeit, die eigene Kartenhand aktiv zu gestalten ist mir zu eingeschränkt und zu sehr vom Zufall bestimmt.

Wenn ich auf einen bestimmten Schatz hinarbeite, aber ums Verrecken keinen Drachen ziehe, um mich gegen die anderen Spieler zur Wehr setzen zu können, kann ein einziger Dieb oder Wütender Mob die Arbeit am Schatz mitunter komplett zunichte machen. Das fühlte sich für mich nie wie ein freundschaftliches „Nimm das!“ an, sondern war regelrecht nervig, frustrierend und spaßtötend. Ich liebe Spiele, bei denen man sich gegenseitig ins Handwerk pfuscht, aber hier kann man mit nur einer Karte die Arbeit mehrere Züge auf einmal zerbröseln. Das ist zu viel des Guten. Klar, man kann auch Schätze mit einem Wert von 2 oder 3 auslegen, die brauchen weniger Schafe. Aber viele Punkte holt man damit auch nicht. Gewonnen hat ja schließlich derjenige, der am meisten Punkte vorweisen kann, und nicht der, der am meisten Schätze vorzuweisen hat. Die strategischen Möglichkeiten sind da, man kann sie nur für meinen Geschmack nicht gezielt genug nutzen.

Mit der Möglichkeit, anderen Spielern Karten abzunehmen geht einher, dass jeder Kartenraub die Spielzeit erhöht. Dieses hin und her kann sich ziemlich in die Länge ziehen. Länger, als das Spiel mich zu motivieren vermag.

 

Peer meint:

Von Drachen und Schafen besticht hauptsächlich durch seine wundervolle Optik, das Spiel selbst ist für mich allerdings nur Mittelmaß. Ab einem gewissen Zeitpunkt fühlten sich die Runden einfach nur zäh an und ich wünschte mir, dass jemand endlich den finalen Schatz ausspielt, damit die Punkte gezählt werden können. Aktionskarten sollten zwar den Spielfluss auflockern und bereichern, wurden jedoch meistens für das Ausspielen der Schätze verwendet und waren somit als Aktion verloren.

Der Spielspaß steht und fällt mit der Spielweise der Spieler. Entscheidet man sich dafür nur Schätze und Höhlen zu spielen, aber die Gegner nicht zu behindern, dann wird der Spielfluß zäh und man verliert die Lust am Spiel. Hier würde dann auch die Hälfte der Spielzeit reichen. Es ist also wichtig möglichst viel zu interagieren und sich zu behindern, um den Spielspaß aufrecht zu erhalten. Andernfalls funktioniert dieses Spiel nicht.

Von Drachen und Schafen kann mich persönlich jedoch nicht motivieren und bietet mir keinen Langzeitspielspaß.

 

Auf einen Blick

SpieldesignNathanael Mortensen
IllustrationenJonas Åkerlund, Victoria Lopez, Sensit Communication GmbH
Erschienen beiMortensen Games, KOSMOS, Renegade Game Studios
Erscheinungsjahr2014
Spieleranzahl24
Spieldauer2545 Minuten
Empfohlenes Alterab 8 Jahren
MechanismenKarten ausspielen, Open Drafting, Sets sammeln
Diese Informationen werden von BoardGameGeek zur Verfügung gestellt. Hier geht es zum Eintrag des Spiels auf BoardGameGeek.

Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
Pierre

Über Pierre

Brettspieler, zelotischer Miniaturenbemaler und Gelegenheitsübersetzer.
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.